Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und ins Deutsche übersetzt.
Die Bundesnetzagentur meldete zum 1. Januar 2026 193.985 öffentliche Ladepunkte in Deutschland - bei über zwei Millionen batterieelektrischen Fahrzeugen im Bestand. Das Verhältnis erklärt den Personalbedarf: Bis 2030 sieht der Masterplan Ladeinfrastruktur eine Million Ladepunkte vor, das sind über 800.000 zusätzliche Standorte in vier Jahren. Europaweit beschäftigt der Sektor 80.000 Personen in 3.500 Unternehmen; ChargeUp Europe prognostiziert für 2030 162.000 Vollzeitstellen. Für Bewerber in Elektrotechnik, Softwareentwicklung und Projektmanagement entsteht ein Arbeitsmarkt, der die Elektrifizierung des Transports für mindestens eine Dekade trägt.

Tesla Supercharger und Fastned Schnellladestationen im Alpincenter Wittenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Migebert, CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons
Erholung nach dem Subventionsschock
Der deutsche Markt hat 2024 einen scharfen Einbruch verkraftet. Nach dem abrupten Wegfall der Kaufprämie im Dezember 2023 sanken die BEV-Neuzulassungen um 27,4 Prozent auf 380.609 Fahrzeuge bei 13,5 Prozent Marktanteil. 2025 folgte die Korrektur: 545.142 Neuzulassungen entsprachen 19,1 Prozent Marktanteil, ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Anfang 2026 überschritt der Bestand die Zwei-Millionen-Marke.

Gesamtzahl der Elektroautos auf den Straßen nach Ländern. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0
Die Ladeinfrastruktur hält damit nicht Schritt. Die 193.985 öffentlichen Ladepunkte zum Stichtag 1. Januar 2026 verteilen sich auf 48.729 Schnelllader (DC, plus 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und 145.256 AC-Ladepunkte. Die installierte Gesamtleistung stieg auf 8,10 Gigawatt, ein Plus von 29 Prozent. Regional führen Nordrhein-Westfalen mit 38.388 Ladepunkten, Bayern mit 37.264 und Baden-Württemberg mit 33.028. Bis zum Masterplan-Ziel fehlen vier Fünftel der Soll-Kapazität.
Engster Engpass bleibt der Netzanschluss. Genehmigung und Herstellung eines Mittelspannungsanschlusses dauern in Deutschland bis zu 24 Monate. Der im November 2025 beschlossene Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 adressiert das mit 41 Maßnahmen: digitalisierte Anschlussverfahren über Online-Portale, standardisierte Prozesse und eigene Förderprogramme für Depotladen im Güterverkehr. Seit Januar 2024 dürfen Netzbetreiber nach §14a EnWG Wallboxen und Wärmepumpen bei Überlastung temporär auf 4,2 Kilowatt drosseln, dürfen den Anschluss aber im Gegenzug weder verzögern noch verweigern.
Das Deutschlandnetz vergibt 9.000 HPC-Ladepunkte
Das Deutschlandnetz ist Europas größtes staatlich ausgeschriebenes Schnellladenetz. Rund 9.000 HPC-Ladepunkte an über 1.000 Standorten sollen bis Ende 2026 die Lücken im Fernstraßen- und ländlichen Netz schließen, jeder Ladepunkt mit mindestens 300 Kilowatt Maximalleistung.

Elektrobus auf einer RATP-ähnlichen Stadtlinie in Santiago, eine Art der Elektrifizierung städtischer Flotten, die die öffentliche Ladeinfrastruktur antreibt. Foto: TomasVial, CC0 1.0 / Wikimedia Commons
Die 23 regionalen Lose (vergeben im September 2023) gingen an zehn Betreiber, darunter E.ON Drive Infrastructure mit rund 140 Standorten und 1.200+ Ladepunkten, TotalEnergies mit 134 Standorten und etwa 1.100 Ladepunkten und das Konsortium EWE Go/HOCHTIEF mit rund 850 Ladepunkten. Die Autobahnlose für 200 unbewirtschaftete Rastplätze (vergeben Februar 2024) gingen an E.ON, TotalEnergies, Fastned und Autostrom. Die ersten Deutschlandnetz-Standorte gingen im November 2024 in Betrieb.
Parallel rollt die Privatwirtschaft eigene Korridor-Strategien aus. EnBW hat sich im Frühjahr 2025 Standorte an 200 Tank&Rast-Raststätten gesichert - die Tank&Rast-Gruppe betreibt rund 90 Prozent der deutschen Autobahnraststätten - und kündigte parallel den Aufbau von 4.000 HPC-Ladepunkten an 200 ALDI-SÜD-Filialen bis 2030 an. Im Verbund mit dem bestehenden HyperNetz ergibt das eine zweite, kommerziell finanzierte HPC-Schicht parallel zum Deutschlandnetz.
Für den Arbeitsmarkt bedeutet das eine konzentrierte Welle von Planungs-, Bau- und Betriebsstellen in den Jahren 2025 bis 2028. Jeder einzelne Standort braucht Netzanschlussplanung, Tiefbau, Elektroinstallation, Inbetriebnahme und anschließenden Betrieb mit Wartung.
Wo der Personalbedarf am größten ist
Deutschland braucht bis 2030 350.000 zusätzliche Fachkräfte für die Energiewende. Das IW Köln identifiziert den Mangel an Bauelektrikern als größten einzelnen Engpass: 14.200 offene Stellen im Jahr 2024, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt blieben 18.300 Stellen in energiewenderelevanten Berufen unbesetzt; im MINT-Bereich liegt der Fachkräftemangel bei 209.200 Stellen.
Speziell in der Ladeinfrastruktur melden über 50 Prozent der Energieunternehmen kritische Engpässe bei angewandten technischen Rollen. Weltweit verfügen nur drei Prozent der Kfz-Techniker über eine EV-Qualifikation, weniger als zehn Prozent sind für Hochspannungsarbeiten zertifiziert. Für Bewerber mit Elektrofachkraft-Status, Erfahrung in der Softwareentwicklung oder einem Projektmanagement-Profil bedeutet das eine starke Verhandlungsposition.
Vier Ladeleistungen, vier Arbeitswelten
Die Ladeleistung bestimmt den Arbeitsplatz, die Qualifikation und den Karriereweg.

Heuliez GX 337 ELEC Elektrobus auf der RATP-Linie 92, Paris. Foto: Mohamed SY, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons
AC-Laden bis 22 Kilowatt ist das Mengensegment. Wallboxen in Wohngebäuden, Tiefgaragen und an Arbeitsplätzen werden in standardmäßiger Elektrotechnik installiert: Standortbewertung, Lastberechnung, Kabelverlegung, Erdung, Inbetriebnahme. Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) verpflichtet seit 2021 Neubauten mit Stellplätzen zur Leerrohrvorbereitung; seit 1. Januar 2025 müssen Bestandsgebäude mit über 20 Stellplätzen mindestens einen Ladepunkt vorhalten. Für qualifizierte Elektriker ist das der schnellste Einstieg in den Sektor.
DC-Schnellladen zwischen 50 und 150 Kilowatt erhöht die Komplexität. Dreiphasige Versorgung, häufig eine Trafoaufrüstung, Tiefbau für Fundamente und Kabelkanäle. Wartung verlangt sowohl Elektrik- als auch Software-Diagnose, denn DC-Ladestationen sind vernetzte Geräte mit Firmware, angebunden über Mobilfunk-IoT an zentrale Managementplattformen.
HPC-Laden ab 150 Kilowatt ist Infrastruktur-Engineering. Hochspannungs-Netzanschlüsse, in einzelnen Fällen Batteriepuffer, ein komplexes Design der Leistungselektronik. EnBWs Schnellladepark am Kamener Kreuz mit 52 Ladepunkten à 300 kW gleicht eher einem Umspannwerk als einer Wallbox-Installation. Die Netzintegration megawattgroßer Lasten in Verteilnetze, die dafür nie ausgelegt waren, verbindet Ladeinfrastruktur unmittelbar mit intelligenten Stromnetzen und Energiespeicherung.
Megawatt-Laden (MCS) zielt auf den Schwerlastverkehr. Der Standard SAE J3271 wurde im März 2025 publiziert und ermöglicht Ladeleistungen bis 3,75 Megawatt. Im September 2025 ging im HoLa-Forschungsprojekt Deutschlands erster öffentlicher MCS-Ladepunkt an der A2 bei Bielefeld in Betrieb. Scania plant MCS-fähige Lkw ab Mitte 2026; E.ON und MAN installieren Schnelllader an 125 MAN-Servicezentren.
Berufe entlang der Wertschöpfungskette

Techniker installieren eine DC-Schnellladeeinheit. Foto: Elite Power Group, Pexels License / Pexels
Planung und Standortentwicklung
Standortakquisiteure bewerten potenzielle Ladepunkte nach kommerziellen Kriterien wie Frequenz, Netzkapazität, Autobahnnähe und Flächennutzungsplan, und verhandeln Miet- oder Pachtverträge. Netzanschluss-Ingenieure koordinieren Anträge beim zuständigen Verteilnetzbetreiber, spezifizieren den Leistungsbedarf und planen Last-Mile-Infrastruktur. Genehmigungsmanager navigieren Bauanträge, Umweltverträglichkeitsprüfungen und die kommunal stark variierenden Anforderungen. Der europaweite Wechsel von Wachstums- zu operativen Rollen im Sektor hat 2025 Country Manager und Projektleiter zu den meistgesuchten Profilen gemacht.
Installation und Inbetriebnahme
Die größte Beschäftigungskategorie. Eine ICCT-Studie prognostiziert, dass über 78.000 der 160.000 Arbeitsplätze in der US-Ladeinfrastruktur bis 2032 in Elektroinstallation, Wartung und Instandsetzung liegen werden; das Verhältnis dürfte in Europa ähnlich ausfallen.
Installationstechniker führen Standortbegehungen durch, montieren Hardware, verlegen Kabel, konfigurieren Ladestationen und nehmen sie in Betrieb, inklusive Fehlerstromprüfung, Kommunikationstest mit der Backend-Plattform und Übergabe an den Betreiber. Inbetriebnahme-Ingenieure bringen DC- und HPC-Standorte ans Netz, testen Schutzrelais und verifizieren Leistungskurven.
Service und Wartung
Servicetechniker im Außendienst beheben Störungen vor Ort: Softwarefehler, Probleme der Netzwerktechnik, defekte Schütze, beschädigte Kabel, Displaytausch. Der Werkzeugkoffer umfasst Multimeter, Leistungsanalysatoren, EV-Ladeprüfgeräte und Mobilfunk-Messtechnik, denn eine Ladestation ohne Datenverbindung kann weder Nutzer authentifizieren noch Zahlungen verarbeiten.
Netzbetrieb
Ladenetze werden aus zentralen Leitstellen heraus überwacht. NOC-Ingenieure verfolgen die Verfügbarkeit der Ladepunkte, diagnostizieren Fehler remote, verteilen Firmware-Updates und eskalieren Hardwareprobleme an den Außendienst. Energiemanagement-Spezialisten optimieren Ladeprofile, um Netzbelastung und Stromkosten zu minimieren, besonders relevant beim Depotladen, wo Dutzende Fahrzeuge über Nacht laden und der Leistungsbedarf nach Tarifen und Abfahrtszeiten gesteuert wird. Die Arbeit liegt an der Schnittstelle von Energiesystemen und Software-Operations.
Software und Plattformen
Jede öffentliche Ladestation kommuniziert über das Open Charge Point Protocol (OCPP) mit einem zentralen Managementsystem (CSMS). Backend-Entwickler bauen Microservices für Abrechnung, Analytik, Firmware-Updates und Roaming, also das netzübergreifende Laden, das einem Fastned-Kunden die Nutzung einer Ionity-Station ermöglicht. Dateningenieure entwickeln Algorithmen für Energieoptimierung, Echtzeit-Monitoring und vorausschauende Wartung. Cybersicherheits-Spezialisten verantworten TLS-Verschlüsselung, PCI-DSS-Compliance und den Schutz vernetzter Infrastruktur.
Hardware-Entwicklung
Leistungselektronik-Ingenieure konstruieren den Kern von DC-Ladestationen: AC-DC-Wandlerstufen, Leistungsfaktorkorrektur und Thermomanagement. Mit dem Übergang zu 400 Kilowatt und bidirektionaler Fähigkeit steigt die Komplexität erheblich. Embedded-Firmware-Ingenieure programmieren die Steuerungen der Ladestationen, von der Benutzeroberflächenlogik über Sicherheitsverriegelungen bis zu Kommunikationsprotokollen. Diese Rollen sitzen primär bei den Herstellern: Alpitronic, Kempower, ABB E-mobility, Delta Electronics.
Flottenelektrifikation
Fuhrparkmanagement für Elektroflotten ist ein eigenständiges Segment. Flottenelektrifikationsmanager planen den Umstieg von Bus-, Lkw- und Lieferwagenflotten auf Elektroantrieb, dimensionieren die Depot-Ladeinfrastruktur und modellieren Energiebedarf. In Deutschland waren 2025 fast 50 Prozent aller neuen Stadtbusse elektrisch, insgesamt rollen knapp 5.000 E-Busse in 222 Städten und Regionen. Hamburg setzt 709 E-Busse ein, Berlin 277. Siemens rüstet allein das Harburger Depot mit 20 SICHARGE-UC-Ladepunkten à 150 kW aus.
Gehaltsübersicht
| Rolle | Deutschland (EUR) |
|---|---|
| Installationstechniker / Elektrofachkraft | 39.000 - 68.000 |
| Elektroingenieur (Ladeinfrastruktur) | 58.000 - 96.000 |
| Leistungselektronik-Ingenieur | 55.000 - 84.000 |
| Softwareentwickler (Ladeplattformen) | 74.000 - 112.000 |
| Projektmanager Elektromobilität | 50.700 - 69.700 |
| Ladeinfrastruktur (Branchendurchschnitt) | 54.000 - 68.000 |

Bestände an Elektroautos, Frankreich, Deutschland, Norwegen, die Niederlande, China und die EU-27. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0
Bruttojahresgehälter. Das deutsche Medianeinkommen lag 2025 bei rund 53.900 Euro. Technologiezentren wie München, Stuttgart und Hamburg zahlen typischerweise 10 bis 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. EV-spezifische Rollen erzielen häufig eine Prämie von 10 bis 25 Prozent gegenüber allgemeinen elektrotechnischen Äquivalenten. Softwareentwickler-Daten spiegeln Mid-Level bis Senior wider (Ravio P3/M3). Quellen: SalaryExpert, StepStone, Glassdoor, Ravio, jobvector (2025/2026).
Arbeitsbedingungen
Außendienst ist physisch, mobil und wetterexponiert. Installationstechniker und Servicetechniker fahren täglich zu Standorten und arbeiten unter freiem Himmel. Die Arbeit umfasst das Heben von Komponenten bis 18 Kilogramm, Kabelverlegung in beengten Räumen und längeres Stehen. DC- und HPC-Installationen sind Baustellen: Helm, Sicherheitsschuhe, Warnweste. Hochspannungs-DC-Systeme von 400 bis 1.000 Volt verlangen strikte Sicherheitsprotokolle. Vor jeder Arbeit gehören Freischaltverfahren nach DGUV Vorschrift 3, Störlichtbogenschutz und schriftliche Gefährdungsbeurteilung dazu; die fünf Sicherheitsregeln werden Schritt für Schritt durchgegangen. Servicerollen schließen Bereitschaftsdienste außerhalb der Arbeitszeiten ein, weil eine defekte Ladesäule an einer Autobahnraststätte nicht bis Montag wartet.
Büro- und Remote-Rollen sind wissensintensiv. Softwareentwickler, Datenanalysten und NOC-Personal arbeiten in der Regel zu Standardzeiten; der Netzbetrieb läuft im 24/7-Schichtmodell. Plattformentwicklung bei Unternehmen wie Monta, ev.energy oder Octopus Electroverse ist oft vollständig remote, mit Teams über mehrere Länder verteilt. Kaufmännische Rollen wie Standortakquise, Geschäftsentwicklung und Partnerschaften bringen häufiges Reisen mit sich.
Diversität bleibt schwach. Frauen stellen rund 25 Prozent der Beschäftigten im Energiesektor, in Installationsrollen deutlich weniger. ChargeUp Europes Initiative Women in eMobility versucht, diesen Anteil zu erhöhen, doch der Fortschritt bleibt langsam.
Qualifikation und Quereinstieg
Aus der Elektrotechnik führt der direkteste Weg. In Deutschland setzt die Installation von Ladestationen den Status als Elektrofachkraft voraus, nachgewiesen durch abgeschlossene Ausbildung als Elektroniker, Elektrotechniker oder Elektromeister plus relevante Berufserfahrung. Die Arbeit unterliegt der DGUV Vorschrift 3 sowie den VDE-Normen DIN VDE 0100-722 (Ladeeinrichtungen) und DIN EN 61851-1 (Ladestationen). Installationsbetriebe müssen nach §13 NAV im Installateurverzeichnis des zuständigen Netzbetreibers eingetragen sein. TÜV SÜD und DGWZ bieten spezialisierte Prüfseminare für E-Ladestationen an.

Bestände an Elektroautos nach Ländern, der EU-27, China, den USA, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, den Niederlanden und Norwegen. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0
Aus der Telekommunikation und Netzwerktechnik ist OCPP, das Protokoll zwischen Ladestation und Cloud, strukturell mit Telekommunikations-Netzmanagement vergleichbar. Netzmonitoring, Störungsmanagement, 4G/5G-Konnektivität und Systemintegrationskompetenz übertragen sich direkt auf NOC- und Smart-Charging-Rollen.
Aus dem Software-Engineering finden Backend-Entwickler, Cloud-Ingenieure und DevOps-Fachleute sofort Einsatz in CSMS-Entwicklung, OCPP-Implementierung, API-Integration und Datenanalytik für Ladenetze. Python, Kubernetes, Microservices und Erfahrung mit Echtzeitsystemen sind unmittelbar relevant.
Aus dem Automobilgewerbe verstehen Kfz-Mechaniker und -Techniker Diagnostik und Fahrzeugelektrik, doch die Lücke zur Hochspannungs-EV-Arbeit ist erheblich. Die Brücke von 12-Volt-Bordnetzen zu 400-Volt-Ladeinfrastruktur erfordert gezielte Weiterbildung, und die Programme bleiben unterentwickelt.
Aus angrenzenden Industrien bringen Bauelektriker mit GEIG-Erfahrung, HSE-Fachkräfte aus dem Anlagenbau und Tiefbauplaner aus dem Straßenbau direkt einsetzbare Kompetenzen mit. Wer aus der Photovoltaik-Installation kommt, kann den Sprung in DC-Ladestandorte über einen mehrwöchigen Vendor-Lehrgang (Alpitronic, Kempower, ABB) absolvieren.
Wichtige Arbeitgeber
Ladenetzbetreiber in Deutschland
- EnBW mobility+ - Karlsruhe, Deutschlands größter Schnellladenetzbetreiber mit 8.000+ Schnellladepunkten; HyperNetz-Roaming über 900.000 Ladepunkte europaweit; Sicherung von 200 Tank&Rast-Raststätten und 200 ALDI-SÜD-Filialen bis 2030; Tochter ChargeHere für Arbeitsplatzladen
- E.ON Drive Infrastructure - Essen, 8.000+ öffentliche Ladepunkte in über 10 Ländern; Deutschlandnetz-Aufträge für regionale und Autobahnlose (rund 140 Standorte, 1.200+ Ladepunkte); erstes kommerzielles V2G-Angebot gemeinsam mit BMW
- IONITY - München, etwa 3.600 HPC-Ladepunkte an 600+ Standorten in 24 Ländern bis 600 Kilowatt; Joint Venture von BMW, Ford, Hyundai, Mercedes-Benz und VW Group mit BlackRock; im November 2025 Eröffnung der 800. Station mit Schwerpunkt auf der A1 und A2
- EWE Go - Oldenburg, niedersächsischer Betreiber mit über 5.000 öffentlichen Ladepunkten; Konsortialpartner im Deutschlandnetz mit HOCHTIEF für rund 850 Ladepunkte; Schwerpunkt in Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
- Mer Germany - Tochter des norwegischen Statkraft-Konzerns, 35.000+ Ladepunkte im Nordics-UK-Verbund mit deutscher Standortbasis in Berlin; Schwerpunkt Depotladen für gewerbliche Flotten
- Allego - Niederlande mit deutscher Operations-Basis in Berlin und Düsseldorf, 34.000+ Ladepunkte in 16 europäischen Ländern; Deutschlandnetz-Regionallos
- TotalEnergies - Frankreich, rund 80.000 Ladepunkte europaweit; drei regionale Deutschlandnetz-Lose mit 134 Standorten und etwa 1.100 Ladepunkten
- Fastned - Niederlande, 406 Stationen in 9 Ländern mit Solardach-Design; Deutschlandnetz-Autobahnlos; Euronext-gelistet
Hardwarehersteller
- Alpitronic - Bozen (Südtirol), Hersteller des Hypercharger, Europas meistverbreiteter HPC-Ladesäule; rund 1.100 Mitarbeiter; familiengeführt
- ABB E-mobility - Schweiz, 840.000+ ausgelieferte Ladestationen in 85+ Ländern; rund 1.100 Mitarbeiter in der EV-Sparte; lieferte Deutschlands ersten MCS-Ladepunkt an der A2
- Kempower - Finnland, modulare Ladearchitektur; rund 830 Mitarbeiter; Pionier im Megawatt-Laden für die schwere Fahrzeugelektrifizierung; Nasdaq Helsinki
- Compleo (KOSTAL Group) - Dortmund, AC/DC-Ladehardware; nach Insolvenz 2023 von KOSTAL übernommen, Stellenabbau im Sommer 2025 angekündigt
- MAHLE chargeBIG - Stuttgart, Spezialist für Arbeitsplatz-AC-Laden mit dynamischem Lastmanagement; 1.600+ Ladepunkte im Raum Stuttgart
Software und Plattformen
- Hubject - Berlin, betreibt das weltweit größte eRoaming-Netzwerk mit über einer Million Ladepunkten in 70+ Ländern; gegründet von BMW, Bosch, Daimler, EnBW, innogy und Siemens
- The Mobility House - München, Pionier im Vehicle-to-Grid-Bereich; ChargePilot-Plattform steuert 2.700+ Flottenladeanlagen; V2G-Partnerschaft mit Mercedes-Benz ab 2026
- Monta - Dänemark, verwaltet 165.000+ kommerzielle Ladepunkte; 231 Mitarbeiter aus 47 Nationen
Hochvolt-Inbetriebnahme bei Salzgitter und Tesla Berlin-Brandenburg
Die deutsche Batterieindustrie liefert den Hardware-Unterbau, an dem viele HPC-Standorte aufgehängt sind. Northvolt Drei in Heide ist nach der Northvolt-Insolvenz im März 2025 in einen schwedischen Insolvenzpfad eingetreten; Tesla Berlin-Brandenburg bleibt mit der bestehenden Produktion in Grünheide einer der größten Arbeitgeber für Hochvolt-Inbetriebnahme im Berliner Raum. Das Salzgitter-Batteriewerk der Volkswagen-Tochter PowerCo nahm im Oktober 2025 die Produktion auf; rund 1.000 Stellen in Inbetriebnahme, Qualitätssicherung und Anlagenbetrieb wurden besetzt. Wer dort Erfahrung in der Hochvolt-Kommunikation sammelt, wechselt typischerweise nach zwei bis drei Jahren in die HPC- oder MCS-Inbetriebnahme.
Flottenelektrifikation
- DHL Group / E.ON - Bonn, betreibt 42.000+ Elektrofahrzeuge weltweit (32.400 E-Transporter, 16 E-Lkw in Deutschland); eigenes Lade- und Lastmanagementsystem
- Zenobe - London, größter Besitzer und Betreiber von E-Bussen in Großbritannien (rund 25 Prozent Marktanteil); expandiert nach Deutschland; 300+ Mitarbeiter
Österreich und die Schweiz
Der österreichische Markt ist kleiner, aber strukturell stabiler. BEV erreichten 2025 einen Marktanteil von 21 Prozent bei Neuzulassungen. Die E-Control meldete im Januar 2026 rund 27.000 öffentliche Ladepunkte, davon etwa 6.500 Schnelllader. Die ASFINAG schreibt seit 2024 Rastplatz-Konzessionen für HPC-Standorte aus; mehrere Lose gingen an Smatrics. Das Joint Venture Smatrics (Verbund AG und Mobility Service Holding mit Beteiligung von Siemens und Energie Steiermark) betreibt rund 600 Schnellladepunkte und ist der größte HPC-Akteur im Land. Wien Energie hat in Wien das dichteste städtische AC-Netz mit über 1.700 Punkten aufgebaut. Hochschulisch deckt die FH Technikum Wien ein eigenes Bachelorprogramm Elektromobilität ab.
In der Schweiz liegen die Sektorlöhne deutlich über dem deutschen Niveau; ein Schnellladetechniker verdient in Zürich oder Bern typischerweise 85.000 bis 115.000 CHF brutto. Cogito Power (Basel) und Move Mobility (Tochter der Schweizer Elektrizitätsgesellschaften) bauen das nationale HPC-Netz aus. Die Schweiz hat keine AFIR-Verpflichtung, folgt aber faktisch denselben Standards, weil das Lastfahrzeug-Geschäft auf Nord-Süd-Transit angewiesen ist.
V2G und Megawatt-Laden öffnen die nächste Qualifikationsschicht
Am 13. November 2025 beseitigte der Bundestag die doppelte Netzentgeltbelastung für rückgespeisten Strom und damit die zentrale ökonomische Hürde für bidirektionales Laden. BMW und E.ON starteten im September 2025 Deutschlands erstes kommerzielles V2G-Angebot: Kunden erhalten bis zu 720 Euro jährlich plus 0,40 Euro je rückgespeister Kilowattstunde. Mercedes-Benz und The Mobility House planen V2G für den neuen GLC ab 2026. Der globale V2G-Markt erreichte 2024 3,2 Milliarden US-Dollar bei 38 Prozent jährlichem Wachstum.
Für den Arbeitsmarkt entsteht eine neue Qualifikationsschicht. Gesucht sind Techniker, die bidirektionale Protokolle, dynamisches Lastmanagement und die Kopplung von Fahrzeugbatterien an Energiespeicher- und Smart-Grid-Systeme beherrschen. MCS für den Transport-Sektor bringt das Zehnfache heutiger Schnellladeleistung und bindet zusätzlich Hochspannungsspezialisten, Netzplaner und Tiefbauingenieure.
Angrenzende Sektoren
Ladeinfrastruktur sitzt am Schnittpunkt von Energie, Mobilität und Technologie. Netzintegrations-Spezialisten wechseln fließend zwischen Laden und intelligenten Stromnetzen. Leistungselektronik-Ingenieure teilen Grundlagen mit der Energiespeicherung und dem Design von Wasserstoff-Brennstoffzellen. Flottenelektrifikation überschneidet sich mit depotbasierter Batteriespeicherung, und V2G hebt die Trennlinie zwischen Ladegerät und stationärem Speicher schrittweise auf.

Bidirektionaler EV-Schnellladegerät mit Vehicle-to-Grid-Funktion. Foto: Raysonho, CC0 1.0 / Wikimedia Commons
Was die nächsten vier Jahre an Personal verlangen
Die Aussage des Sektors lässt sich auf eine Zahl reduzieren. Die Lücke zwischen den 193.985 öffentlichen Ladepunkten zu Jahresbeginn 2026 und dem Masterplan-Ziel von einer Million bis 2030 entspricht jährlich rund 200.000 neuen Ladepunkten - vier mal so viel wie der bisherige Höchstwert von etwa 49.000 in 2025. Selbst bei einer Halbierung dieses Plans bleibt die Zahl der jährlich zu planenden, zu bauenden und in Betrieb zu nehmenden Standorte über dem heutigen Niveau. ChargeUp Europe rechnet bis 2035 mit 222.000 europäischen Vollzeitstellen im Sektor - eine Verdreifachung gegenüber heute. Welcher Anteil davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz entsteht, hängt davon ab, wie schnell die 14.200 offenen Bauelektriker-Stellen besetzt werden und wie viele Quereinsteiger aus Photovoltaik, Telekommunikation und IT in den kommenden drei Jahren den Sprung wagen.
Artikel von Jaroslav Holub · Redaktionell bearbeitet von Rejobs