Jobs in der Wasserstoffbranche

Jaroslav Holub · Aktualisiert am 8. September 2026

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und ins Deutsche übersetzt.

Die Bundesnetzagentur hat im Oktober 2024 das 9.040 Kilometer lange Wasserstoff-Kernnetz mit Investitionen von 18,9 Milliarden Euro genehmigt. Seit August 2026 fließt zwischen Lingen und Marl der erste Wasserstoff durch das Netz, die Fertigstellung ist für 2032 vorgesehen. Parallel dazu schreibt die Bundesregierung in der zweiten Gebotsrunde der CO2-Differenzverträge (bis 2025 Klimaschutzverträge) ein Fördervolumen von fünf Milliarden Euro aus - und das IW Köln beziffert die Fachkräftelücke der wasserstoffrelevanten Branchen in 143 Berufen auf rund 49.500 Personen. Zugleich hat ArcelorMittal die Umrüstung der Werke Bremen und Eisenhüttenstadt im Sommer 2025 abgesagt und damit auf 1,3 Milliarden Euro zugesagter Förderung verzichtet; Topsoe hat seine SOEC-Fabrik im dänischen Herning auf Eis gelegt. Damit verläuft der Hochlauf zweigleisig: ein Infrastrukturprogramm, das auf eine Generation angelegt ist, und ein Industrieumbau, über den Projekt für Projekt entschieden wird.

Enertrag-Hybridkraftwerk und -Wasserstoffzentrum in Prenzlau, Brandenburg

Enertrag-Hybridkraftwerk und -Wasserstoffzentrum in Prenzlau, Brandenburg. Foto: Molgreen, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Wasserstoff-Kernnetz und CO2-Differenzverträge

Kein Feld der Energiewende hängt so stark an der Politik wie Wasserstoff. Solarenergie und Windenergie tragen sich am Markt inzwischen weitgehend selbst; grüner Wasserstoff braucht weiterhin Förderung, weil die Gestehungskosten in Europa laut ACER bei 7 bis 10 Euro je Kilogramm liegen, während grauer Wasserstoff aus Erdgas gut 2 Euro kostet. Staatliche Instrumente bestimmen also, wo welche Stellen entstehen.

Die im Juli 2023 aktualisierte Nationale Wasserstoffstrategie verdoppelte das Ziel für die Elektrolysekapazität bis 2030 auf 10 GW und rechnet mit einem Jahresbedarf von 95 bis 130 TWh - bis zu 70 Prozent davon aus Importen. Die zweite Gebotsrunde der CO2-Differenzverträge, von der EU-Kommission im März 2025 genehmigt, stellt fünf Milliarden Euro bereit, davon drei Milliarden im Basisvolumen und zwei Milliarden im Aufstockungsvolumen. Anders als in der ersten Runde sind nun auch die CO2-Abscheidung in der Zement-, Kalk- und Chemiebranche sowie die Erzeugung von Industriedampf förderfähig. Rund 130 Unternehmen hatten am vorbereitenden Verfahren teilgenommen; das Gebotsverfahren startete im Mai 2026, die Gebotsfrist endete Anfang September 2026.

Das Wasserstoff-Kernnetz ist der zweite tragende Pfeiler. 60 Prozent der 9.040 Kilometer entstehen durch Umwidmung bestehender Erdgasleitungen, 40 Prozent sind Neubau. GASCADE hat im Dezember 2025 eine 400 Kilometer lange Leitung von Lubmin nach Bobbau umgerüstet, OGE hat mit dem Bau seiner ersten neuen Wasserstoffleitung zwischen Heek und Epe begonnen, Thyssengas baut eine grenzüberschreitende Leitung in die Niederlande. In Nordrhein-Westfalen sind heute bereits 240 Kilometer Wasserstoffleitungen in Betrieb; bis 2030 soll sich die Länge auf rund 480 Kilometer verdoppeln. Die Bundesnetzagentur legte im Juli 2025 das Hochlaufentgelt fest - ein regulatorisches Detail, das über die Wirtschaftlichkeit der Anschlüsse entlang der geplanten Trassen mitentscheidet. Im März 2026 kam das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz hinzu, das die Genehmigungsverfahren für Elektrolyseure, Speicher und Leitungen straffen soll.

Grauer, blauer und grüner Wasserstoff

Wasserstoff ist kein einheitliches Berufsfeld; jeder Erzeugungspfad verlangt andere Qualifikationen.

Grauer Wasserstoff stellt heute den Großteil der Produktion. Die Dampfreformierung von Erdgas läuft seit Jahrzehnten in Raffinerien, Ammoniakwerken und Methanolanlagen. BASF Ludwigshafen, Shell Wesseling und Linde Leuna sind etablierte Standorte. Wer dort als Chemikant, Verfahrenstechniker oder Anlagenmechaniker arbeitet, gehört zur Wasserstoffwirtschaft, ohne dass die Stelle so heißt.

Globale Wasserstoffnachfrage nach Sektoren

Globale Wasserstoffnachfrage nach Sektoren. Quelle: IEA, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Blauer Wasserstoff kombiniert dieselbe Reformierung mit CO2-Abscheidung. In Deutschland ist er bisher ein Randthema geblieben; die Nationale Wasserstoffstrategie weist ihm die Rolle einer Übergangstechnologie zu. Gesucht werden vor allem CCS-Spezialisten und Lagerstättengeologen, etwa in Norddeutschland, wo die Speicherformationen unter der Nordsee liegen.

Grüner Wasserstoff ist der eigentliche Wachstumsbereich - und das schwierigere Geschäft. Die weltweit installierte Elektrolysekapazität erreichte Ende 2024 erst 2 GW, bis Juli 2025 kam gut 1 GW hinzu; allein China verfügt über eine Fertigungskapazität von 20 GW pro Jahr. Für Elektrolyseur-Ingenieure, Stackmonteure und Betriebstechniker entsteht der Arbeitsmarkt gerade erst. RWE hat in Lingen im August 2026 den ersten Wasserstoff erzeugt und an einen Kunden geliefert - der Endausbau auf 300 MW soll 2027 erreicht sein. Grüner Wasserstoff macht aber weiterhin weniger als ein Prozent der globalen Produktion aus; für die eigene Laufbahn zählt daher mehr, bei wem und in welcher Projektphase man einsteigt, als für welche Technologie.

Anteil des Stroms aus Windenergie nach Ländern

Anteil des Stroms aus Windenergie nach Ländern. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Wasserstoff in der Stahlindustrie

Nirgendwo zeigt sich die Kluft zwischen Strategie und Realität so deutlich wie in der Stahlerzeugung. Salzgitter hält am SALCOS-Programm fest: 2,7 Milliarden Euro Gesamtinvestition, davon rund 1,3 Milliarden öffentlich gefördert, Direktreduktionsanlage, Lichtbogenofen und ein 100-MW-Elektrolyseur im Bau. Der Elektrolyseur soll etwa 9.000 Tonnen grünen Wasserstoff jährlich erzeugen; die erste Ausbaustufe soll 2027 in Betrieb gehen.

ArcelorMittal ist den umgekehrten Weg gegangen. Im Sommer 2025 stoppte der Konzern die Planungen für Direktreduktionsanlagen in Bremen und Eisenhüttenstadt und verzichtete damit auf 1,3 Milliarden Euro zugesagter Bundesförderung - Bedingung war ein Baubeginn bis Juni 2025. Begründung des Konzerns: Selbst mit dieser Hilfe sei das Geschäftsmodell wegen unsicherer Wasserstoffpreise und -verfügbarkeit nicht tragfähig. Für Brandenburg und Bremen bedeutet das den Wegfall jener Schlüsselprojekte, an denen die regionale Wertschöpfungskette hängen sollte; für Bewerber führt es vor Augen, dass Förderzusagen keine Investitionsentscheidungen sind. In Österreich setzte voestalpine im September 2025 gemeinsam mit Primetals und Rio Tinto den Spatenstich für die Pilotanlage Hy4Smelt in Linz - wasserstoffbasierte Direktreduktion plus elektrischer Schmelzprozess, 170 Millionen Euro, Inbetriebnahme 2027.

Wo in Deutschland und Österreich gebaut wird

Die Standorte ballen sich in wenigen Regionen. Nordrhein-Westfalen liegt vorn, weil Industrieinfrastruktur und Nachfrage schon da sind. Die zweite Hochburg ist Niedersachsen mit RWE Lingen, Salzgitter SALCOS und der Hafenlogistik in Wilhelmshaven. In Schleswig-Holstein hat das Energiewendeministerium im August 2026 dagegen das Aus für HyScale100 an der Raffinerie Heide bestätigt - geplant waren 500 MW mit einer Ausbauperspektive von 2,1 GW, das Land hatte 194 Millionen Euro eingeplant. Brandenburg setzt nach dem ArcelorMittal-Stopp auf die Lausitz, wo LEAG in Cottbus einen ersten 1-MW-Elektrolyseur samt Wasserstofftankstelle für den Busverkehr errichtet; im benachbarten Sachsen fertigt Sunfire in Dresden SOEC- und alkalische Elektrolyseure. In Hamburg-Moorburg entsteht am ehemaligen Kohlekraftwerk ein 100-MW-Elektrolyseur; Grundsteinlegung war im Dezember 2025, Inbetriebnahme 2027.

2-MW-Elektrolysemodul zur Erzeugung von grünem Wasserstoff

2-MW-Elektrolysemodul zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Foto: Bubble60, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Im Norden arbeiten fünf Bundesländer in der HY-5-Initiative zusammen. Bayern erhält über das Projekt HyPipe Bavaria - 300 Kilometer Leitungsnetz für Süddeutschland bis 2030 - Anschluss an das österreichische Netz. In Österreich konzentrieren sich die Standorte auf Linz mit voestalpine, die Raffinerie Schwechat in Niederösterreich und die Steiermark; bis 2026 standen 820 Millionen Euro Bundesförderung für den Hochlauf bereit, zusätzlich 275 Millionen Euro für vier nationale Großprojekte.

Das IAB erwartet in einer Studie für das Bundesarbeitsministerium im Durchschnitt rund 57.000 zusätzliche Beschäftigte durch den Wasserstoffhochlauf bis 2045, mit einem BIP-Effekt von 4,1 Milliarden Euro jährlich. Die ManpowerGroup-Analyse kommt für Deutschland auf 145.000 wasserstoffbezogene Arbeitsplätze bis 2040. Welche Zahl der Wirklichkeit näher kommt, hängt vor allem davon ab, wie viele angekündigte Projekte tatsächlich gebaut werden.

Berufsbilder entlang der Wertschöpfungskette

Erzeugung

Elektrolyseur-Ingenieure entwickeln und erproben die Kerntechnologien - alkalische Systeme, PEM-Systeme (Protonenaustauschmembran) und die noch junge Festoxid-Elektrolyse (SOEC). Die Arbeit verlangt solide Kenntnisse in der Elektrochemie oder im Chemieingenieurwesen mit Schwerpunkt auf Membrantechnik, Katalysatorentwicklung und Stackdesign. Die Arbeitgeber reichen von Spezialherstellern (thyssenkrupp nucera, Sunfire, Enapter) bis zu Industriekonzernen (Siemens Energy, Linde Engineering).

Betriebstechniker und Prozesstechniker fahren Elektrolyseure, überwachen die Wasserstoffreinheit, steuern die Wasseraufbereitung und warten die Peripherie. Erfahrung aus der chemischen Produktion oder der Gasverarbeitung lässt sich direkt übertragen; der Schichtbetrieb rund um die Uhr prägt den Arbeitsalltag überall dort, wo die Anlage an Grundlaststrom oder an einem Großspeicher hängt.

Anlagenfahrer inspiziert Maschinen und Prozessleitungen in einem Chemiewerk

Anlagenfahrer inspiziert Maschinen und Prozessleitungen in einem Chemiewerk. Foto: Pexels, Pexels License

In Forschung und Entwicklung geht es um Verfahren der nächsten Generation: AEM-Elektrolyse, direkte Meerwasserelektrolyse, photoelektrochemische Zellen und Umwandlungspfade wie Power-to-X einschließlich E-Fuels. Diese Stellen verteilen sich auf Universitäten, Fraunhofer-Institute, das Forschungszentrum Jülich, das DLR und die Forschungszentren der Unternehmen.

Transport, Speicherung und Verteilung

Ingenieure für Wasserstoffspeicherung planen und betreiben Salzkavernen, Druckbehälter und Flüssigwasserstoffsysteme; hinzu kommen neuere Lösungen wie Metallhydride und flüssige organische Wasserstoffträger (LOHC). Die IEA beziffert die angekündigte Kapazität für die Untergrundspeicherung auf 10 TWh bis 2035; nur für drei Projekte weltweit ist die endgültige Investitionsentscheidung gefallen. Deutschland hat mit seinen norddeutschen Salzstöcken günstige geologische Voraussetzungen.

Ingenieure für Rohrleitungstechnik gehören in den nächsten zehn Jahren zu den gesuchtesten Fachkräften, weil das Kernnetz zum großen Teil aus umgestellten Gasleitungen entsteht. Gefragt sind Kenntnisse in Wasserstoffversprödung, Hochdruck-Gassystemen und Werkstoffverträglichkeit - Kompetenzen, die sich direkt aus der Öl- und Gasindustrie übertragen lassen. Die Initiative European Hydrogen Backbone plant bis 2040 ein Leitungsnetz von rund 53.000 Kilometern, davon rund 60 Prozent umgewidmet.

Elektroingenieure für Hochspannung schließen Elektrolyseure an erneuerbare Stromquellen oder das Übertragungsnetz an. Ein 100-MW-Elektrolyseur braucht Transformatoren, Gleichrichter und eine Leistungsregelung; das Aufgabenprofil überschneidet sich mit dem in der Energiespeicherung und in intelligenten Stromnetzen.

Endanwendung

Brennstoffzellen-Ingenieure entwickeln Brennstoffzellen für Fahrzeuge, stationäre Stromversorgung und portable Geräte. Die Arbeit umfasst Leistungselektronik, Thermomanagement und Systemintegration. Die stärkste Nachfrage kommt aus dem Nutzfahrzeug- und Schwerverkehr - Busse, Lkw, Züge, Schifffahrt -, wo batterieelektrische Lösungen an Reichweiten- und Gewichtsgrenzen stoßen.

Solaris Urbino 12: Wasserstoff-Brennstoffzellenbus im europäischen Linienverkehr

Solaris Urbino 12: Wasserstoff-Brennstoffzellenbus im europäischen Linienverkehr. Foto: Jakub Markiewicz / Solaris Bus & Coach, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Techniker für Wasserstoffbetankung installieren und warten die Tankinfrastruktur für Brennstoffzellenfahrzeuge. Das Netz von H2 MOBILITY ist von über 80 auf rund 50 öffentliche Wasserstofftankstellen geschrumpft - gefragt ist daher eher Instandhaltung als Neubau; Air Liquide liefert bis zu 1.000 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff pro Jahr an die Tankstellen.

Ingenieure für industrielle Dekarbonisierung ersetzen Koks und grauen Wasserstoff durch grünen: in der Direktreduktion von Eisenerz, in der Ammoniaksynthese und im Raffineriebetrieb. Diese Positionen liegen an der Schnittstelle von Wasserstoff und klassischer Schwerindustrie; fundiertes Prozesswissen zählt hier mehr als Wasserstoff-Spezialwissen.

Querschnittsfunktionen

Wasserstoff-Sicherheitsingenieure sind chronisch knapp. Die extreme Entzündbarkeit des Gases, die nahezu unsichtbare Flamme und die Versprödung von Metallen verlangen in jedem Projekt eigene Sicherheitsexpertise - Gefährdungsbeurteilung, Lüftungskonzepte, Leckageerkennung und das Explosionsschutzdokument nach Gefahrstoffverordnung. Wer eine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit mit Wasserstoff-Spezialwissen verbindet, kann derzeit zwischen mehreren Stellenangeboten wählen.

Projektentwickler und Finanzierungsspezialisten strukturieren Finanzierung und Verträge, die Wasserstoffprojekte tragfähig machen - Förderbescheide, Abnahme- und Lieferverträge mit mehreren Partnern. Wer Erfahrung in der Projektfinanzierung erneuerbarer Energien mitbringt, findet hier einen direkten Einstieg in das Feld sauberer Energielösungen.

Quereinstieg aus anderen Branchen

Eine McKinsey-Analyse stuft die Übertragbarkeit von Kompetenzen aus der Öl- und Gasindustrie auf Wasserstoff als „relativ hoch“ ein - die Lücke liegt im wasserstoffspezifischen Anlagenwissen, nicht in den ingenieurtechnischen Grundkompetenzen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im H2PRO-Projekt bestehende Ausbildungsberufe als unmittelbar wasserstoffrelevant identifiziert - darunter Chemikant, Anlagenmechaniker, Elektroniker, Industriemechaniker, Mechatroniker und Rohrleitungsbauer. Die zentrale Botschaft der Studie: Neue Ausbildungsberufe sind nicht erforderlich. Die bestehenden Profile bilden eine tragfähige Basis, auf der wasserstoffspezifische Zusatzqualifikationen aufsetzen.

Direkt übertragbar sind vor allem:

  • Prozesstechniker und Anlagenfahrer - die Abläufe im Anlagenbetrieb bleiben gleich; nur das Medium wechselt
  • Rohrleitungsingenieure - die Versprödung bringt zusätzliche Materialprüfungen mit sich; Inspektions- und Wartungsroutinen bleiben vertraut
  • Fachkräfte für Arbeitssicherheit - Prozesssicherheit ist die Grundlage; die wasserstoffspezifischen Anforderungen kommen hinzu
  • Maschinenbauingenieure - Verdichter, Pumpen und Turbinen sind Varianten bekannter Technik

Die Nachqualifizierung dauert Wochen bis Monate, nicht Jahre. Die Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE warnt allerdings, dass der Wasserstoffhochlauf in Ostdeutschland am Arbeitskräftemangel zu scheitern droht - dort trifft der Strukturwandel auf eine alternde Erwerbsbevölkerung und eine schrumpfende regionale Arbeitskräftereserve.

Gehälter in Deutschland

Wasserstoffspezifische Gehaltsdaten bleiben lückenhaft, weil viele Positionen unter Chemieingenieurwesen oder Verfahrenstechnik geführt werden. Die folgenden Werte beruhen auf Erhebungen aus den Jahren 2025 und 2026; wo es keine wasserstoffspezifischen Daten gibt, stehen die Werte des jeweiligen Grundberufs.

Position Deutschland (EUR)
Elektrolyseur- oder Brennstoffzelleningenieur 63.000 - 112.000
Verfahrens- oder Chemieingenieur 47.000 - 77.000
Projektmanager (Wasserstoff) 60.000 - 88.000
Wasserstoff-Prozesstechniker 55.000 - 70.000
Sicherheitsingenieur 51.000 - 88.000

Bruttojahresgehälter in Euro. Die Spanne reicht vom Berufseinstieg bis zur erfahrenen Fachkraft (über acht Jahre Berufserfahrung). An Technologiestandorten wie München, Stuttgart und Hamburg liegen die Gehälter typischerweise 10 bis 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Eine Spezialisierung auf PEM-Systeme oder Wasserstoffsicherheit bringt einen Aufschlag von weiteren 10 bis 20 Prozent. Zum Vergleich: Das Mediangehalt im Stepstone-Gehaltsreport lag 2025 bei rund 53.900 Euro brutto. Quellen: SalaryExpert, PayScale, Jobvector (2025/2026).

Das durchschnittliche Gehalt in der Wasserstoffbranche liegt laut Jobvector bei rund 59.500 Euro brutto jährlich und damit etwa 10 Prozent über diesem Wert. Die Nachfrage wächst mit jeder neuen Großanlage; PEM-Spezialisten und Sicherheitsingenieure mit Explosionsschutz-Fachkunde haben derzeit die stärkste Verhandlungsposition.

Arbeitsbedingungen

Wasserstoff ist nach der CLP-Verordnung als extrem entzündbares Gas eingestuft und der Explosionsgruppe IIC zugeordnet, der höchsten Anforderungsstufe, in der nur wenige Stoffe stehen. Das ist kein Grund, den Sektor zu meiden; es bestimmt aber den Betrieb jeder Anlage.

Die Physik gibt den Rahmen vor. Der Zündbereich von Wasserstoff in Luft reicht von 4 bis 75 Volumenprozent, gegenüber 5 bis 15 Prozent bei Erdgas. Seine Flamme ist bei Tageslicht praktisch unsichtbar; als kleinstes Molekül entweicht er durch Spalte, die andere Gase zurückhalten. Bei vielen Metallen führt die Wasserstoffversprödung über Jahre zu einer schleichenden Schwächung der Behälter und Leitungen.

Hochdrucksysteme dominieren den Anlagenbau. Druckwasserstoff wird in Fahrzeugen bei 350 bis 700 bar gespeichert, in industriellen Anwendungen bei 200 bis 500 bar. Jede Flanschverbindung, jedes Ventil ist eine mögliche Schwachstelle - Lecksuche und Dichtheitsprüfungen gehören zur täglichen Routine.

Bedienfeld eines Elektrolyseurs mit Druckmessgeräten

Bedienfeld eines Elektrolyseurs mit Druckmessgeräten. Foto: CambridgeBayWeather, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

In Wasserstoffanlagen sind die explosionsgefährdeten Bereiche in Ex-Zonen eingeteilt; elektrische wie nichtelektrische Geräte müssen für die jeweilige Zone zugelassen sein, und Prüfungen übernehmen befähigte Personen nach der Betriebssicherheitsverordnung. Freischalt- und Erlaubnisscheinverfahren, Notfallübungen und die Überwachung durch Gaswarnanlagen gehören in der Produktion zum Alltag. Produktionsanlagen laufen im vollkontinuierlichen Schichtbetrieb mit vier oder fünf Schichtgruppen; § 3 ArbZG begrenzt die werktägliche Arbeitszeit auf acht Stunden; bis zu zehn sind zulässig, wenn der Halbjahresdurchschnitt wieder bei acht liegt. Bau und Inbetriebnahme sind Projektgeschäft, oft mit längeren Einsätzen vor Ort. Forschung, Entwicklung und Konstruktion laufen in üblichen Bürozeiten.

Beim Frauenanteil bleibt die Branche hinter dem Durchschnitt zurück. In den erneuerbaren Energien liegt der Frauenanteil laut IRENA weltweit bei 32 Prozent, in Führungspositionen bei 19 Prozent. In den gewerblich-technischen Berufen, in denen die meisten Stellen entstehen, ist der Anteil noch niedriger. Das Netzwerk Women in Green Hydrogen arbeitet darauf hin, Podien der Branche mit mindestens 30 Prozent Frauen zu besetzen.

Ausbildung und Qualifikationen

Die deutschen Hochschulen haben auf den Fachkräftebedarf der Wasserstoffbranche reagiert. Die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen bietet den Bachelor Wasserstoffsysteme und Erneuerbare Energien zulassungsfrei an, auf Wunsch als kooperatives Studium mit IHK-Abschluss. Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) hat ihren Bachelor Wasserstofftechnik zum Wintersemester 2025/26 um verfahrenstechnische Inhalte erweitert und in Wasserstoff- und Verfahrenstechnik umbenannt, die TU Braunschweig hat den B.Sc. Batterie- und Wasserstofftechnologie eingeführt. Bundesweit gibt es inzwischen 14 wasserstoffspezifische Studiengänge. Berufsbegleitende Masterstudiengänge an der TH Ingolstadt und der DIU Dresden richten sich an Berufserfahrene.

Bei der Weiterbildung ist die DVGW H2 Academy zu einer zentralen Anlaufstelle geworden. Sie bietet Zertifikatslehrgänge zur Fachkompetenz Wasserstoff nach den DVGW-Merkblättern G 221 und G 655 - von der Sachkunde für Gasfüllanlagen über die Qualifizierung von Betriebspersonal bis zum Praxisworkshop Gefährdungsbeurteilung. TÜV Rheinland zertifiziert Fachkundige für Wasserstoff gemeinsam mit dem Fraunhofer IST. Die Fachkunde im Explosionsschutz richtet sich in Deutschland nach der Betriebssicherheitsverordnung und den TRGS 720 ff.; international gefragt, vor allem bei Anlagenbauern mit Auslandsprojekten, sind die britische CompEx-Zertifizierung und die IECEx-Personenzertifizierung, die TÜV Rheinland in Deutschland anbietet.

Europaweit zählt das Clean Hydrogen Joint Undertaking inzwischen 261 Bildungsangebote zu Wasserstoff - 50 Prozent davon Masterstudiengänge, 33 Prozent Angebote der beruflichen Weiterbildung. Die EU-Initiative GreenSkills4H2 unter Leitung des KIT entwickelt europaweite Curricula für die berufliche Bildung im Sektor.

Wichtige Arbeitgeber

Elektrolyseur-Hersteller

Der Markt ist allerdings volatil: Topsoe hat seine 2025 eröffnete SOEC-Fabrik in Herning eingemottet und weltweit 440 Stellen gestrichen; Elogen (Frankreich) hat den Gigafactory-Bau gestoppt und 110 Stellen abgebaut; ITM Power (UK) reduzierte bis Anfang 2024 die Belegschaft um rund 30 Prozent. Wer bei einem Hersteller einsteigt, sollte dessen Auftragsbestand kennen.

Industriegase

Fernleitungsnetz- und Infrastrukturbetreiber

  • OGE (Open Grid Europe) - Essen, Deutschlands größter Fernleitungsnetzbetreiber mit rund 12.000 km; Kernpartner im GET-H2-Netz, 10 Millionen Euro in ein Wasserstoff-Trainingszentrum in Werne investiert; rund 1.650 Beschäftigte
  • GASCADE - Kassel, Flow-Projekt mit 400 km umgerüsteter Leitung; geplant sind insgesamt über 1.600 km; rund 550 Beschäftigte
  • Thyssengas - Dortmund, 4.400 km Gasnetz in NRW und Niedersachsen; baut die grenzüberschreitende Wasserstoffleitung in die Niederlande; rund 520 Beschäftigte
  • bayernets - München, baut mit HyPipe Bavaria das erste süddeutsche Wasserstoffnetz, 300 km bis 2030; rund 100 Beschäftigte
  • Gasunie / HyNetwork Services - Groningen, baut das niederländische Wasserstoff-Kernnetz (1.200 km); grenzüberschreitende Anbindung an Deutschland geplant

Automobilindustrie und Brennstoffzellen

Großprojekte in Deutschland und Österreich

  • GET H2 Nukleus - Lingen (Niedersachsen), 300-MW-Elektrolyse in drei Ausbaustufen mit Linde und Sunfire, 492 Millionen Euro Förderung
  • Hamburg Green Hydrogen Hub - Moorburg, Elektrolyseur auf dem Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks
  • Clean Hydrogen Coastline - Nordwestdeutschland (EWE), vier Teilprojekte von der Erzeugung bis zur Nutzung, 27.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr ab 2027
  • AquaVentus - Helgoland (Nordsee), Ziel von 10 GW Elektrolyseleistung auf Basis von Offshore-Windstrom bis 2035, über 100 Konsortialpartner
  • SALCOS - Salzgitter (Niedersachsen), wasserstoffbasierte Direktreduktion in der Stahlerzeugung; Direktreduktionsanlage, Lichtbogenofen und Elektrolyseur an einem Standort
  • voestalpine Hy4Smelt - Linz (Oberösterreich), Pilotanlage für wasserstoffbasierte Direktreduktion in Kombination mit einem elektrischen Schmelzprozess, Österreichs größtes Klimaschutz-Forschungsprojekt
  • OMV Bruck an der Leitha - Niederösterreich, 140-MW-Elektrolyseur zur Versorgung der Raffinerie Schwechat, endgültige Investitionsentscheidung im Oktober 2025, einer der größten Elektrolyseure in Mitteleuropa
  • Verbund / WIVA P&G - Österreich, Wasserstoff-Vorzeigeregion mit über 60 Partnern in Forschung, Erzeugung und Anwendung

Ausblick bis 2032

In der zweiten Runde der CO2-Differenzverträge entscheidet sich nach dem Gebotstermin im September 2026, welche Industrieprojekte Förderung erhalten und damit, welche Standorte tatsächlich umgebaut werden. Das Wasserstoff-Kernnetz geht bis 2032 Abschnitt für Abschnitt in Betrieb; jeder neue Korridor löst Folgeinvestitionen in Rohrleitungstechnik, Verdichterstationen, Speicher und Anschlussanlagen aus. SALCOS wird ab 2027 zeigen, ob sich wasserstoffbasierter Stahl im industriellen Maßstab rechnet; wenn ja, entstehen Folgeprojekte dort, wo Netzanschluss und Förderung zusammenkommen.

Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien nach Ländern

Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien nach Ländern. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Die Zahl von 49.500 fehlenden Fachkräften ist keine abstrakte Rechengröße. Dahinter stehen Stellen, die heute schon ausgeschrieben sind und unbesetzt bleiben, vorrangig in der Bauelektrik, der elektrischen Betriebstechnik und im Maschinenbau. Das IW Köln verweist auf 18.177 unbesetzte Ausbildungsplätze in den 143 wasserstoffrelevanten Berufen. Die Bundesregierung hat in der Nationalen Wasserstoffstrategie 10 GW Elektrolysekapazität bis 2030 vorgesehen; in Betrieb waren im April 2026 aber erst 193 MW, und der Bundesrechnungshof rechnet für 2030 mit weniger als 5 GW. Diese Ausbaulücke prägt zusammen mit dem Aufbau des Kernnetzes den deutschen und österreichischen Wasserstoff-Arbeitsmarkt für das kommende Jahrzehnt; die Fachkräftelücke lässt sich nur schließen, wenn jährlich mehrere tausend Quereinsteiger aus der Chemie, dem Anlagenbau sowie der Öl- und Gasindustrie qualifiziert nachrücken.

Artikel von Jaroslav Holub · Redaktionell bearbeitet von Rejobs