Jobs in der Windenergie

Jaroslav Holub · Aktualisiert am 28. August 2026

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und ins Deutsche übersetzt.

Deutschland hat 2025 Genehmigungen für 3.310 Windkraftanlagen mit 20,8 GW erteilt - so viel wie nie. Der Bruttozubau erreichte 5.232 MW aus 958 neuen Anlagen, die durchschnittliche Verfahrensdauer fiel um 27 Prozent auf rund 17 Monate. Damit kommt Tempo in einen Markt, der zwischen 2019 und 2022 wegen Genehmigungsstaus und Flächenmangel weitgehend stillstand. Europaweit beschäftigt die Windbranche 442.800 Menschen; auf Deutschland entfallen davon rund 110.000 Stellen bei knapp 78 GW installierter Leistung. Nach einem halben Jahrzehnt Stagnation baut die Branche wieder auf - und sucht dafür Leute, die sie in den mageren Jahren nicht eingestellt hat.

Windkraftanlage, Biogasfermenter und Solarpanels auf einem einzigen Hof in Horstedt, Niedersachsen

Windkraftanlage, Biogasfermenter und Solarpanels auf einem einzigen Hof in Horstedt, Niedersachsen. Foto: Florian Gerlach (Nawaro), CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Genehmigungen und Zubau in Deutschland

Zwischen 2019 und 2022 wurden in Deutschland kaum noch neue Windparks gebaut. Klagen, Abstandsregeln und ein zähes immissionsschutzrechtliches Verfahren brachten den Onshore-Zubau auf das niedrigste Niveau seit den Neunzigern. Die Trendwende kam mit dem Wind-an-Land-Gesetz vom Februar 2023: 1,4 Prozent der Bundesfläche bis Ende 2027, 2 Prozent bis Ende 2032, verteilt auf jedes Bundesland nach individuellem Flächenbeitragswert.

2025 zeigt, dass das Paket wirkt. Im ersten Halbjahr stiegen die Genehmigungen um 55 Prozent, Baden-Württemberg verlangte von seinen Regionalverbänden Teilpläne bis Ende September, Nordrhein-Westfalen will die regionalplanerischen Verfahren noch in diesem Jahr abschließen. Auch die Ausschreibungen sind erstmals seit Jahren wieder klar überzeichnet: Über alle vier Gebotsrunden 2025 vergab die Bundesnetzagentur 14.445 MW - so viel wie in keiner Ausschreibungsrunde zuvor.

Jährliche Zuwächse der Windstromerzeugung in Deutschland, China, den USA, Indien, dem Vereinigten Königreich und Spanien

Jährliche Zuwächse der Windstromerzeugung in Deutschland, China, den USA, Indien, dem Vereinigten Königreich und Spanien. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Genehmigte 20,8 GW sind eine Pipeline, die in den nächsten drei bis vier Jahren gebaut werden muss. Allein diese Pipeline bindet in Fertigung, Bau, Installation und Betrieb eine sechsstellige Zahl an Beschäftigten - solange der Markt das Personal überhaupt findet.

Wo in Deutschland gebaut wird

Der Norden trägt den Bestand. Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vereinen gut die Hälfte der installierten Onshore-Leistung auf sich. In den vier Ländern stehen die größten regionalen Cluster: der Repowering-Korridor entlang der A7, die Projekte rund um die Magdeburger Börde, die Vorpommern-Brandenburg-Achse, die Vorhaben um Cuxhaven. Bayern und Baden-Württemberg, jahrelang Schlusslicht, bekamen 2025 erstmals je über 1.000 MW genehmigt. Hier verschiebt sich der Arbeitsmarkt am sichtbarsten: Wer in München, Stuttgart oder Würzburg arbeitete, fand in der Windbranche bislang kaum etwas. Das ändert sich gerade.

Installierte Windenergiekapazität nach Ländern und Regionen, Zeitreihe

Installierte Windenergiekapazität nach Ländern und Regionen, Zeitreihe. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Offshore konzentriert sich die Aktivität in Cuxhaven, Bremerhaven, Mukran und auf Helgoland. NPorts hat im Februar 2025 die Erweiterung des Cuxhavener Hafens für 300 Millionen Euro begonnen - drei neue Liegeplätze auf 1.250 Metern, ausgelegt für den Umschlag von Turbinenkomponenten der nächsten Generation. Iberdrola hat im Juli 2025 Baltic Eagle vor Rügen vollständig ans Netz gebracht, 476 MW aus 50 Vestas-V174-Turbinen, 30 Kilometer nordöstlich der Insel. EnBW bringt He Dreiht in der Nordsee mit 960 MW bis Sommer 2026 vollständig ans Netz, einen der ersten Offshore-Parks Europas, der ohne EEG-Vergütung auskommt.

Onshore- und Offshore-Arbeitsmärkte

Wer in Deutschland in die Windenergie geht, landet entweder onshore oder offshore. Die beiden Märkte teilen sich den Namen und sonst wenig.

Onshore beschäftigt mehr Menschen und stellt gleichmäßiger ein. Rund 68 GW verteilt auf rund 29.000 Anlagen bedeuten kontinuierliche Wartung, regelmäßige Repowering-Wellen und vergleichsweise planbare Schichten. Servicetechniker fahren mit dem Firmenwagen montags bis freitags zwischen Windparks einer Region, Projektingenieure sitzen in den Büros von Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster, Magdeburg und Schwerin. Das lässt sich mit einer Familie vereinbaren.

Offshore ist der dynamischere, härtere Markt. Der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore zählt 31.530 Vollzeitstellen und 14,6 Milliarden Euro Wertschöpfung in Deutschland - beim gesetzlichen Ausbauziel von 70 GW bis 2045 könnten daraus rund 120.000 Beschäftigte werden. Gearbeitet wird in vierzehntägigen Turnussen, angereist per Helikopter oder Service Operation Vessel. Die Vergütung liegt 20 bis 40 Prozent über dem Onshore-Niveau, der Preis dafür sind zwei Wochen Abwesenheit am Stück. Mehr als ein Drittel der Offshore-Arbeitsplätze liegt nicht an der Küste, sondern in Nordrhein-Westfalen (6.300) und Baden-Württemberg (5.300) - an Maschinenbau-, Komponenten- und Engineering-Standorten, die für die Häfen produzieren.

Offshore-Windturbinen bei Sonnenuntergang

Offshore-Windturbinen bei Sonnenuntergang. Foto: Ruyan Ayten, Pexels License / Pexels

Fachkräftemangel in der Windbranche

Der Personalmangel ist keine Branchen-PR. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert die Lücke in den für die Energiewende relevanten Berufen auf über 216.000 Fachkräfte, die DIHK geht von 350.000 zusätzlich benötigten Personen bis 2030 aus. In der Elektrotechnik fehlen allein 14.200 Fachkräfte; die Windbranche steht hier in direkter Konkurrenz zu Bauelektrik, Photovoltaik und Wärmepumpenmontage.

WindEurope hat den europäischen Bedarf nach Berufen aufgeschlüsselt. Die 235 verschiedenen Berufsprofile entlang des Lebenszyklus müssen bis 2030 mit etwa 607.000 Personen besetzt sein - 37 Prozent über dem heutigen Stand. Die größten Lücken: 7.000 fehlende Techniker für die Rotorblattwartung, 6.500 Ingenieure im Außeneinsatz, 5.000 Vormontage-Techniker. Acht von zehn dieser Stellen lassen sich über eine Berufsausbildung besetzen, nicht zwingend über ein Hochschulstudium. Für deutsche Bewerber mit Elektroniker- oder Mechatroniker-Brief ist das die direkteste Brücke in den Sektor.

Gehälter in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Gehälter unterscheiden sich nach Rolle, Standort und Einsatzform. Die folgenden Bruttojahresgehälter gelten für den DACH-Raum 2025/2026.

Rolle Deutschland Österreich Schweiz
Windkraftanlagen-Servicetechniker 38.000 - 72.500 € 35.000 - 55.000 € 74.000 - 95.000 CHF
Offshore-Techniker 45.000 - 75.000 € - -
Windenergie-Ingenieur 55.000 - 85.000 € 43.000 - 73.000 € 95.000 - 131.000 CHF
Projektleiter Wind 58.000 - 92.500 € 40.000 - 65.000 € 90.000 - 130.000 CHF
SCADA- / Leittechnik-Ingenieur 65.000 - 114.000 € 50.000 - 75.000 € 100.000 - 140.000 CHF
HSE-Manager (Offshore) 68.000 - 116.000 € - -
Vertrieb / Business Development 55.000 - 104.000 € 40.000 - 60.000 €+ 90.000 - 130.000 CHF

Bruttojahresgehälter auf Basis von SalaryExpert, Glassdoor, karriere.at und Lohnanalyse.ch (2025/2026). Offshore-Rollen tragen 20-40 Prozent Zuschlag gegenüber Onshore. Vertriebspositionen umfassen meist 15-25 Prozent variable Vergütung, die in der Tabelle nicht abgebildet ist. Das deutsche Medianeinkommen lag 2025 bei rund 54.100 € brutto. Wechselkurs: 1 CHF ≈ 1,05 €.

Die Gehälter in den erneuerbaren Energien sind 2025 auf 40 Prozent über dem globalen Marktniveau gestiegen - eine direkte Folge des Fachkräftemangels und der Konkurrenz mit der Öl- und Gasindustrie um dieselben Profile.

Berufsbilder entlang der Wertschöpfungskette

Projektentwicklung und Finanzierung

Projektentwickler suchen Standorte, verhandeln Pachtverträge, führen Windpotenzialanalysen durch und steuern die Genehmigung. In Bayern und Baden-Württemberg sind sie 2025 die gefragtesten Profile: Beide Länder müssen Hunderte Megawatt aus dem Stand entwickeln, ohne das gewachsene Personal der Nordländer. Erfahrung mit BImSchG-Verfahren und kommunaler Kommunikation zählt mehr als spezifisches Windwissen.

Spezialisten für Windressourcen-Bewertung modellieren den Ertrag eines Standorts aus LiDAR-, SODAR- und Mastdaten und entscheiden damit über die Bankability. Die Schnittstelle zu Fernerkundung und Wettervorhersage wird durch die zunehmende Direktvermarktung wichtiger; jeder Prognosefehler fließt unmittelbar in die Marktwerte ein.

Projektfinanzierer strukturieren Eigen- und Fremdkapital, Power Purchase Agreements und EEG-Auktionsangebote. Mit dem Auslaufen klassischer Festpreisvergütungen und dem Übergang zu Differenzverträgen mit Marktwert-Rückzahlungen wird der Job analytischer und volatiler.

Fertigung und Zulieferung

In Europa produzieren über 250 Werke Turbinen und Komponenten, knapp die Hälfte aller direkten Stellen im Sektor entfällt auf die Fertigung. Deutschland hält in diesem Cluster eine besondere Position: Enercon produziert getriebelose Onshore-Anlagen in Aurich, Magdeburg und Emden, Nordex steuert seine globale Produktion aus Hamburg und Rostock, Siemens Gamesa baut Offshore-Gondeln im Cuxhavener Werk mit über 1.400 Beschäftigten.

Windturbinenblätter in der Montagefabrik von LM Glasfiber

Windturbinenblätter in der Montagefabrik von LM Glasfiber. Foto: Tuey, CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Produktionstechniker montieren Gondeln und Türme im Werk, in der Blattfertigung steht die Composite-Arbeit mit Glas- und Kohlefaser auf Bauteilen von über 100 Metern Länge im Mittelpunkt. Ein Blattdefekt bedeutet schnell sechsstellige Garantieforderungen, weshalb die Qualitätssicherung ein eigenständiges Berufsfeld ist - mit eigener Karriereleiter vom Werkstattmeister bis zur Produktionsleitung. Logistikspezialisten koordinieren den Transport übergroßer Komponenten: Ein einzelnes Blatt wiegt Dutzende Tonnen, braucht Schwerlastgenehmigungen, Trassenplanung und Polizeieskorten. Offshore kommt die Reederei-Koordination dazu.

Bau und Installation

Windkraftanlagentechniker sind das Rückgrat der Bauphase. Sie montieren Turmsegmente, Gondeln und Rotoren mit Schwerlastkränen und führen die elektrische und mechanische Inbetriebnahme durch. Die Arbeit findet auf 80 bis 150 Metern statt; Turmbesteigung ist Alltag, der Schichtbeginn das Sicherheitsbriefing, der Schichtschluss die Dokumentation.

Bauleiter und EPC-Manager koordinieren Subunternehmer, Schwerlasttransporte und Netzanschluss. Beim Onshore-Bau in Deutschland betreut ein einzelner Bauleiter in der Regel 8 bis 15 Anlagen pro Park. Offshore rückt die Rolle näher an klassisches Projektmanagement, weil eine einzige Bauphase Hunderte Millionen Euro bindet. Offshore-Ingenieure verantworten Fundamentdesign, Kabeltechnik, Schiffskoordination und Seegangsplanung. Der Markt zahlt hier am besten - und verlangt die längste Eingewöhnung.

Betrieb und Wartung

Mit weltweit fast 1,3 TW in Betrieb ist Betrieb und Wartung das am schnellsten wachsende Segment. Der globale O&M-Markt für Windturbinen lag 2025 bei geschätzten 39,6 Milliarden US-Dollar und soll bis 2030 auf 59,7 Milliarden steigen.

Onshore-Servicetechniker betreuen 30 bis 80 Anlagen je nach Region - Inspektion, Ölwechsel, Schmierstoffanalyse, Austausch elektrischer Komponenten, Befundung von Getriebe- und Lagerschäden. Offshore-Techniker arbeiten in zweiwöchigen Turnussen auf See, mit Crew Transfer Vessel oder Helikopter zwischen Service Operation Vessel und Turbine. Turbinenbetrieb aus den Leitwarten - Bremerhaven, Hamburg, Rostock, Glasgow für die deutsche Nordsee - ist eines der wachstumsstärksten Berufsfelder: Wer SCADA-Daten lesen, Python-Skripte schreiben und gleichzeitig die Mechanik eines Triebstrangs verstehen kann, hat im aktuellen Markt drei bis fünf Angebote zur Auswahl. Asset-Manager verantworten dann die wirtschaftliche Performance ganzer Portfolios und entscheiden über Komponententausch, Repowering und Vertragsmanagement.

Ingenieur- und Digitalberufe

Elektroingenieure entwerfen Leistungselektronik und Umspannwerke und arbeiten an der Netzintegration. Mit der Kopplung von Windparks an Energiespeicher und intelligente Stromnetze verschwimmt die Grenze zwischen Erzeugung und Systemdienstleistung. Hybridkraftwerke aus Wind, Batterie und teils Elektrolyseur sind 2025 keine Randerscheinung mehr - die ersten kommerziellen Projekte stehen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Ingenieure für digitale Zwillinge und SCADA-Spezialisten bauen Modelle ganzer Parks, die mit IoT-Sensordaten gespeist werden und Ausfälle vorhersagen. Moderne Deep-Learning-Modelle melden Triebstrangschäden Wochen vor dem Ausfall. Plattformen für Wartungssteuerung, Performance-Monitoring und Direktvermarktung verlangen Entwickler, die Code und Energiewirtschaft gleichermaßen lesen können.

Arbeitsbedingungen

Höhenarbeit ist für Techniker die Eintrittsbedingung. Eine moderne Gondel sitzt 80 bis 150 Meter über dem Boden, ist eng, vibriert, und der Schallpegel liegt über 80 dB. Turbinenhandbücher und Gefährdungsbeurteilungen am Standort stoppen Arbeiten in der Höhe bei Windgeschwindigkeiten über etwa 18 m/s; die DGUV-Regeln setzen vergleichbare Grenzen. Stürze, Stromkontakt und Quetschverletzungen sind die häufigsten Unfallursachen; das GWO Basic Safety Training ist die Eintrittskarte. 2024 absolvierten weltweit 122.008 Personen GWO-Module, Deutschland verzeichnete dabei den stärksten Zuwachs aller Länder mit 25,7 Prozent.

Windenergietechniker in Schutzausrüstung, der eine Turbine inspiziert

Windenergietechniker in Schutzausrüstung, der eine Turbine inspiziert. Foto: Iyan Ryan, Unsplash License / Unsplash

Offshore-Turnusse strukturieren das Privatleben anders. Zwei Wochen auf einem Service Operation Vessel mit Zwölf-Stunden-Schichten, dann zwei Wochen an Land. Der Transfer auf die Turbine erfolgt mit Crew Transfer Vessel oder Helikopter, je nach Seegang. Wer Familie hat, muss die vierzehn Tage Abwesenheit zu Hause organisieren.

Der Jahresrhythmus ist gleichmäßiger als in der Solarbranche: Wind weht ganzjährig, und Service-Aufträge füllen das Jahr. Größere Wartungsarbeiten werden in den Sommer gelegt, wenn der Ertragsverlust geringer ist; Offshore-Bauphasen konzentrieren sich auf das Wetterfenster April bis Oktober. In Süddeutschland fällt Onshore-Bau im Hochwinter teilweise wegen Eis an der Hebetechnik aus.

Projektmanager, Energieanalysten, Konstrukteure und Softwareentwickler arbeiten zunehmend hybrid. RWE, Ørsted, Vattenfall und EnBW schreiben Stellen aus, die sich von Hamburg, Bremen, Essen, Karlsruhe oder Berlin aus ausüben lassen.

Beim Frauenanteil hinkt die Windbranche dem Erneuerbaren-Schnitt hinterher. Frauen stellen 21 Prozent der Beschäftigten, im Senior-Management sinkt der Wert auf 8 Prozent. Die GWEC-Initiative Women in Wind und firmeneigene Programme arbeiten an der Quote, doch die Zahlen bewegen sich seit Jahren kaum.

Ausbildung und Qualifikationen

Duale Ausbildung

Der klassische Weg in die Windbranche führt über das duale System. Vier Berufsbilder dominieren:

  • Elektroniker/in für Betriebstechnik (3,5 Jahre) - der häufigste Einstieg in den Service
  • Mechatroniker/in (3,5 Jahre) - die ideale Kombination aus Elektrotechnik und Mechanik
  • Industriemechaniker/in (3,5 Jahre) - stark gefragt in der Turbinenfertigung
  • Anlagenmechaniker/in (3,5 Jahre) - relevant für Installation und Wartung

Die Pflicht-Zusatzqualifikation ist das GWO Basic Safety Training, ein vier- bis fünftägiger Kurs in Erster Hilfe, Brandschutz, Höhenrettung, manuellem Heben und - für Offshore - Sea Survival. Die Zertifizierung gilt zwei Jahre und wird in der WINDA-Datenbank weltweit registriert. Anerkannte Trainingszentren sind unter anderem OffTEC in Enge-Sande mit eigenem Trainings-Windpark, das O.S.T. Offshore-Safety-Trainingscenter in Cuxhaven, die BZEE Academy in Husum mit über 4.100 ausgebildeten Servicetechnikern seit 2000 sowie das Trainingscenter der Deutschen Windtechnik im schleswig-holsteinischen Viöl. Wer einen Elektroniker-Brief und eine VDE-konforme Schaltberechtigung mitbringt, schließt das GWO-Paket in wenigen Wochen ab.

Studium

Ingenieurstellen verlangen ein Studium in Elektrotechnik, Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Energietechnik. Spezialisierte Studiengänge sind:

Das Forschungsnetzwerk ForWind verbindet Oldenburg, Hannover und Bremen; der Master of Wind Energy der dänischen DTU ist heute der direkteste internationale Weg in Offshore-Design und -Entwicklung. Für Projektmanagement zählen PMP und PRINCE2, für Sicherheitsmanagement das NEBOSH-Diplom.

Quereinstieg aus anderen Branchen

Die Branche rekrutiert systematisch aus Nachbarindustrien. Aus Öl und Gas bringen über 90 Prozent der britischen Beschäftigten übertragbare Kompetenzen mit. Offshore-Bauleiter, HSE-Fachkräfte, Schiffsingenieure, Hochspannungselektriker - die Profile decken sich. Die Vergütungslücke zur fossilen Industrie besteht fort: Öl und Gas zahlt für vergleichbare Positionen weiter rund 15 Prozent mehr.

Aus dem Handwerk wechseln Elektriker, Schweißer, Kranführer und Baumaschinenführer am direktesten. Schweißerinnen und Schweißer sind besonders gefragt für die Fertigung der Fundamente für schwimmende Windenergie. Aus IT und Software kommen Entwickler für SCADA-Plattformen, prädiktive Wartung und Direktvermarktung. Energiebranchenkenntnis ist hier nicht zwingend, eine saubere Python- und Cloud-Basis genügt für den Einstieg.

Windturbinenblätter an einem Montageort in Niedersachsen

Windturbinenblätter an einem Montageort in Niedersachsen. Foto: Pexels, Pexels License

Composite-Verarbeitung, Aerodynamik und Qualitätssicherung aus Automotive und Luftfahrt sind in der Serienfertigung direkt anschlussfähig. Die Strukturkrise der deutschen Autozulieferer hat 2024/25 mehrere Hundert Ingenieure und Facharbeiter in die Windbranche gebracht, vor allem in die Werke von Nordex Rostock und Enercon Magdeburg.

Technologie-Trends

Turbinen werden größer. Offshore-Anlagen liegen heute über 15 MW, die erste 20-MW-Anlage steht seit Januar 2026 auf See. Weniger, aber größere Maschinen erhöhen den Kapazitätsfaktor um 2 bis 3 Prozentpunkte und reduzieren den Logistikaufwand, treiben aber die Wartungskomplexität nach oben. Die Ausbildungsdauer für einen voll einsatzfähigen Servicetechniker liegt heute bei 12 bis 18 Monaten formaler Programme plus mehrere Jahre Praxiserfahrung.

Schwimmende Windenergie erschließt die tiefen Meeresgebiete, in denen traditionelle Monopile-Fundamente an ihre Grenzen stoßen. Norwegens Hywind Tampen (11 Turbinen, seit 2023 in Betrieb) ist der heute größte Park, weitere Vorhaben entstehen vor Frankreich, Portugal, Schottland und der US-Westküste. Der Teilsektor schafft vor allem Stellen im Fundamentbau, in der Verankerung am Meeresboden und in der dynamischen Kabeltechnik - der Fachkräftemangel im Offshore-Wind ist schon heute akut.

KI und prädiktive Wartung verändern den O&M-Alltag. Machine-Learning-Modelle verschieben die Wartung vom festen Intervall auf den Zustand der Maschine, Drohneninspektionen lösen die aufwendige Seilzugangsarbeit am Blatt ab. Daraus entstehen neue Berufsbilder: KI-Spezialisten für Triebstrangmodelle, zertifizierte Drohnenpiloten für die Blattinspektion und Datenanalysten, die SCADA-Datenströme zu Wartungsentscheidungen verdichten.

Repowering wird in den kommenden Jahren zum stillen Wachstumssegment. Rund 34.000 der 90.000 europäischen Onshore-Turbinen sind älter als 15 Jahre, in Deutschland fallen jährlich rund 2.000 Anlagen aus der EEG-Vergütung. Der Ersatz alter Turbinen durch moderne Maschinen reduziert die Anlagenzahl um etwa 27 Prozent und verdreifacht die Stromerzeugung. Das schafft Arbeitsplätze in Demontage, Rückbau, Composite-Recycling und Neumontage gleichermaßen.

Wichtige Arbeitgeber im DACH-Raum

Turbinenhersteller

Projektentwickler und Betreiber

  • RWE - Essen, über 20.800 Beschäftigte, einer der weltweit größten Onshore- und Offshore-Betreiber, baut parallel das 1,4-GW-Projekt Sofia in der britischen Nordsee
  • EnBW - Karlsruhe, baut He Dreiht (960 MW Offshore, vollständig am Netz bis Sommer 2026), bis 2030 sind 40 Milliarden Euro Investitionsvolumen eingeplant
  • Iberdrola Deutschland - Rostock und Berlin, Baltic Eagle (476 MW seit Juli 2025) und Wikinger bilden zusammen den Baltic Sea Hub, Folgeprojekt Windanker in Bau
  • Vattenfall - schwedischer Konzern mit deutscher Offshore-Pipeline (DanTysk, Sandbank, Nordlicht), Onshore-Repowering-Programm in Schleswig-Holstein
  • Ørsted - dänischer Offshore-Marktführer, rund 8.000 Beschäftigte und bis 2027 auf 6.000 schrumpfend, Borkum Riffgrund und Gode Wind in der deutschen Nordsee
  • wpd - Bremen, rund 1.400 Beschäftigte in 32 Ländern, Pipeline von über 31 GW Onshore
  • PNE AG - Cuxhaven, über 2,6 GW entwickelte Windprojekte, börsennotiert
  • Energiekontor - Bremen, Pionier seit 1990, 1,4 GW in Betrieb

Unabhängige Serviceanbieter

Beratung und Engineering

DNV (Norwegen, mit deutschen Büros in Essen und Hamburg) und Ramboll (Dänemark, Standorte in Hamburg, Bremen, Berlin) bilden die Beratungsschwergewichte, Seaway7 und Sif Group prägen die Offshore-Installations- und Fundamentlogistik. In diesem Segment arbeiten mehrere Tausend Ingenieurinnen und Ingenieure an deutschen Projekten, oft im Homeoffice oder hybrid.

Arbeiten im Ausland: Österreich und die Schweiz

Österreich hat den Windausbau 2025 deutlich beschleunigt. Insgesamt zählt das Land 1.447 Anlagen mit 4.221 MW; allein 2025 kamen 48 Anlagen mit rund 285 MW hinzu, fast vollständig in Niederösterreich und im Burgenland. Wind deckt rund 16 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs, in der Ostregion produzieren die Windräder Strom für über 2,65 Millionen Haushalte. Relevante Arbeitgeber: Wien Energie (nach der ImWind-Übernahme mit 145 Turbinen eine der größten Betreibergesellschaften), WEB Windenergie AG, EVN, Verbund. Die IG Windkraft beziffert die Investitionspipeline der Branche auf über drei Milliarden Euro. Für österreichische Fachkräfte kommt ein Exportmarkt dazu: Energie Burgenland und EVN beraten und entwickeln zunehmend in Tschechien, der Slowakei und Rumänien, weil die CEE-Region auf österreichische Genehmigungs- und Betriebsroutine zurückgreift.

Die Schweiz bleibt der Sonderfall im DACH-Raum. Mit nur 50 Anlagen in Betrieb spielt Windkraft kaum eine Rolle; lange Verfahren und kommunaler Widerstand bremsen den Ausbau. Realistisch nutzbar wären in der Schweiz 8,9 TWh jährlich, davon 5,7 TWh im Winter. Schweizer Fachkräfte mit Wind-Profil arbeiten daher entweder im Stromhandel (Axpo, BKW, Alpiq) und in der Direktvermarktung deutscher und nordischer Parks, oder sie pendeln nach Deutschland, Dänemark oder Norwegen. Der Stundenlohn liegt 30 bis 40 Prozent über dem deutschen Niveau, dafür bietet der Schweizer Arbeitsmarkt für Wind-Onshore und Wind-Offshore praktisch keine Stellen.

Ausblick 2030

Deutschland hat 2025 Genehmigungen für 20,8 GW Onshore-Wind erteilt, von denen etwa 16 bis 18 GW tatsächlich gebaut werden. Das ist mehr Bauvolumen, als die deutsche Branche jemals in einem Vier-Jahres-Zeitraum bewältigt hat. Nordex allein hält einen Auftragsbestand von 16,1 Milliarden Euro, Enercon einen vergleichbar dimensionierten, frisch refinanzierten Bestand. Offshore kommen He Dreiht (960 MW), der Cuxhavener Hafenausbau (300 Millionen Euro) und die Verdreifachung der Offshore-Kapazität bis 2030 auf 30 GW dazu.

Anteil der Stromproduktion aus Windenergie in den wichtigsten europäischen Märkten

Anteil der Stromproduktion aus Windenergie in den wichtigsten europäischen Märkten. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Das WindEurope-Ziel von 607.000 Beschäftigten europaweit bis 2030 entspricht einer Lücke von 164.200 Personen gegenüber heute. Deutschland trägt davon rechnerisch zwischen 35.000 und 50.000 zusätzliche Stellen bei - besetzt werden sie nur, wenn jedes Jahr mehrere Tausend Quereinsteiger aus Auto, Bau, Öl und IT qualifiziert nachrücken.

Artikel von Jaroslav Holub · Redaktionell bearbeitet von Rejobs