Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und ins Deutsche übersetzt.
Deutschland hat Ende 2025 rund 117 GW Photovoltaik installiert, mehr als jedes andere EU-Land. Solarstrom überholte 2025 mit 87 TWh erstmals die Braunkohle. Der BSW Solar beziffert die Zahl der Beschäftigten auf rund 120.000 - und allein im PV-Sektor fehlen 60.000 bis 100.000 Elektrofachkräfte.
Diese Lücke bestimmt den deutschen Solararbeitsmarkt. Das EEG schreibt einen Ausbau der Photovoltaik auf 215 GW bis 2030 fest, was rund 19 bis 20 GW jährlichen Zubau bedeutet; 2024 wurden 16,2 GW installiert, 2025 lag der Zubau auf ähnlichem Niveau. Es fehlt also nicht am Markt, sondern an Leuten, die ihn bedienen. Wer die Qualifikation mitbringt, verhandelt aus einer starken Position heraus.

Photovoltaik-, Biogas- und Windkraftanlagen auf einem bewirtschafteten Hof in Horstedt, Niedersachsen. Foto: Florian Gerlach (Nawaro), CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons
Solarpaket I und Solarspitzengesetz
Zwei Gesetze bestimmen derzeit das Tempo, und sie ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Das im April 2024 verabschiedete Solarpaket I hat den Boom auf den Hausdächern ausgelöst: vereinfachte Anmeldung für Balkon-PV, eigene Ausschreibungssegmente für Agri-Photovoltaik (800 MW für 2025, 1.200 MW für 2026), für schwimmende Anlagen und Moor-PV. Rund 80 Prozent der neuen Hausdachanlagen werden inzwischen mit Batteriespeichern kombiniert. Die Erzeugung wandert damit weiter auf Dächer und Gewerbeflächen, also in Richtung dezentraler Energieressourcen - und mit ihr die Arbeit an Direktvermarktung, Netzdienstleistungen und Eigenverbrauchssteuerung.
Seit dem 25. Februar 2025 dämpft das Solarspitzengesetz diesen Boom. Neue Anlagen ab 7 kW brauchen ein intelligentes Messsystem und eine Steuerbox; Anlagen ab 2 kW dürfen ohne Smart Meter nur 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen. Bei negativen Strompreisen entfällt die EEG-Vergütung. Für Installateure heißt das mehr Arbeit im Messwesen und an der Wechselrichtertechnologie, der Netzintegration und der Direktvermarktung; für Hausbesitzer lohnt sich die reine Volleinspeisung kaum noch.
Fachkräftemangel in der Solarbranche
Das IW Köln zählt für 2024 knapp 119.000 unbesetzte Stellen in den energierelevanten Berufen - 64 Prozent aller dort ausgeschriebenen Stellen. Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit dauert es im Schnitt 142 Tage, eine Stelle für Elektrofachkräfte in der Solarbranche zu besetzen; im Handwerk gilt eine Vakanzzeit von über 100 Tagen als Engpass. Die dreijährige Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik schließt diese Lücke nicht vor 2028, selbst wenn sich die Zahl der Ausbildungsanfänger morgen verdoppelte.
Eine abgeschlossene Elektroniker-Ausbildung mit PV-Zusatzqualifikation ist deshalb die gefragteste Kombination auf dem Markt. Der BSW Solar betreibt seit Mai 2025 ein eigenes Jobportal für die Branche; EUPD Research erwartet bis 2030 rund 13.000 zusätzliche Vollzeitstellen - ein Bruchteil dessen, was heute fehlt. Wer aus dem Dachdecker-, SHK- oder Anlagenmechaniker-Handwerk kommt, qualifiziert sich über die Weiterbildung zur Fachkraft für Solartechnik (HWK) oder zum Solarteur in wenigen Monaten für die PV-Branche.
Wichtige Arbeitgeber in Deutschland
Seit 2024 zerfällt der deutsche Markt in drei Lager. Das erste Lager bilden die Anbieter für Privatkunden: Enpal erzielte 2025 erstmals über 1,1 Milliarden Euro Umsatz, ist mit über 100.000 Kunden Marktführer für Solaranlagen in Europa und für Wärmepumpen in Deutschland und stellt weiter ein. 1Komma5° aus Hamburg bündelt PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox mit der eigenen Energiemanagement-Software Heartbeat AI; der Umsatz lag 2024 bei rund 520 Millionen Euro, die Belegschaft umfasst heute rund 2.400 Beschäftigte. Heartbeat AI steuert inzwischen über 1 GW Flexibilität und ist nach eigenen Angaben Europas größtes virtuelles Kraftwerk für Privathaushalte - daraus ist ein Arbeitsfeld entstanden, das es vor drei Jahren so nicht gab.
Das zweite Lager entwickelt Großanlagen. BayWa r.e. aus München, einer der stärksten europäischen Projektentwickler in den Bereichen Solar, Wind und Speicher, durchläuft seit Ende 2024 das Sanierungsprogramm „r.e.power“: Bis Ende 2027 sollen mindestens 350 Stellen wegfallen, im schlimmsten Fall bis zu 2.400 von rund 4.250. Stabil bleibt das Geschäft bei Q ENERGY (vormals RES Deutschland), Enerparc (Hamburg, 4,5 GW Eigenportfolio), Goldbeck Solar (Hirschberg, rund 5 GW in 20 Ländern installiert), BELECTRIC (Kolitzheim, über 5 GW) sowie bei EnBW und RWE.
Das dritte Lager, die Fertigung, löst sich auf. Meyer Burger schloss die Modulproduktion in Freiberg bereits im März 2024 (500 Stellen) und meldete am 31. Mai 2025 für die deutschen Tochtergesellschaften Insolvenz an: Betroffen waren 331 Beschäftigte in Thalheim (Solarzellen) und 289 in Hohenstein-Ernstthal (Maschinenbau und Technologieentwicklung). Im September 2025 erklärte das Unternehmen die Investorensuche für gescheitert. Heckert Solar in Chemnitz produziert mit 800 MWp Jahreskapazität weiter; Hanwha Q CELLS betreibt das Werk in Bitterfeld-Wolfen als europäisches F&E- und Pilotzentrum weiter, hat die Großserienfertigung aber nach Korea verlagert.
Wo in Deutschland gebaut wird
Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stellen zusammen über die Hälfte der installierten Leistung, und dort sitzen auch die Cluster. Das Solar Cluster Baden-Württemberg vereint rund 75 Mitgliedsunternehmen entlang der Wertschöpfungskette, vom Modulhersteller bis zum Energiedienstleister. Bayern führt mit rund 31 GW installierter Leistung und stützt sich auf ein dichtes Zuliefernetz um München, Augsburg und die Region Hof-Bayreuth. In Nordrhein-Westfalen treffen große Industriedächer auf zahlreiche mittelständische Betriebe für Installation und Wartung von Dachanlagen.

Luftaufnahme eines Solarparks - Freiflächenanlagen sind die häufigste Bauform großer Solarkraftwerke. Foto: Daniel Miksha, Unsplash License / Unsplash
Niedersachsen - flach, dünn besiedelt, mit freien Netzanschlusskapazitäten - ist der Wachstumsmarkt für großflächige Solaranlagen. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leben von Konversionsflächen ehemaliger Tagebaue und Militärgelände. In Hessen und Sachsen-Anhalt entstehen hybride Kraftwerke, die PV mit Speicher und teilweise mit Wasserstoff-Elektrolyse koppeln.
Arbeiten im Ausland: Österreich und die Schweiz
Österreich installierte 2024 rund 2,51 GW; die Branche zählte dort rund 12.100 Vollzeitäquivalente, und 2025 verlangsamte sich der Zubau deutlich. PV Austria bündelt die Interessen der Branche; größter kommunaler Projektentwickler ist Wien Energie. Die Schweiz erreichte 2024 mit 1,8 GW einen Rekord; Swissolar rechnet bis 2035 mit einem Bedarf von 19.000 Fachkräften. Schweizer Gehälter liegen nominal deutlich über dem deutschen Niveau. Entsprechend hoch ist die Mobilität der Bewerber im DACH-Raum.
Berufsbilder entlang der Wertschöpfungskette
Montage und Inbetriebnahme
PV-Installateure montieren Module, verlegen DC- und AC-Verkabelung, schließen Wechselrichter an und nehmen Anlagen in Betrieb. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und findet überwiegend draußen statt: auf Schrägdächern, auf Flachdächern oder auf Freiflächen, deren Eignung zuvor eine Solarpotenzialanalyse bestätigt hat. Der Arbeitstag beginnt mit Materialdisposition und Sicherheitseinweisung; ein Vier-Personen-Team installiert auf einem Einfamilienhaus eine 10-kWp-Anlage in eineinhalb Tagen.

Monteure installieren eine Dachanlage - Dachanlagen sind das größte Segment der Solarbranche. Foto: Raze Solar, Unsplash License / Unsplash
Solar-Elektrofachkräfte übernehmen die DC-seitige Installation, die Wechselrichter-Integration und den Netzanschluss. Nach BSW-Daten ist das die am schwersten zu besetzende Stelle der Branche: Wer Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit PV-Erfahrung ist, kann den Arbeitgeber in den meisten Regionen frei wählen.
Bauleiter koordinieren bei großflächigen Solaranlagen mehrere Gewerke, die Logistik und die Sicherheit über sechs- bis zwölfmonatige Bauphasen. In diese Position wächst man meist nach drei bis fünf Jahren auf Montage hinein.
Planung und Technik
Planungsingenieure entwerfen Photovoltaik-Systeme mit PVsyst, Helioscope oder Aurora Solar, dimensionieren Komponenten, simulieren den Ertrag und erstellen genehmigungsfähige Unterlagen. Die Arbeit findet im Büro statt, zunehmend auch im Homeoffice. Elektroingenieure entwerfen die Leistungselektronik, die mittelspannungsseitigen Sammelschienen und die Umspannwerksanbindung großer Freiflächenanlagen. Die Kopplung mit Speichern und der Anschluss an intelligente Stromnetze haben diese Spezialisierung zur derzeit gefragtesten gemacht.
Projektentwickler suchen Standorte über Fernerkundung und Flächenanalyse, verhandeln Pacht- oder Dachnutzungsverträge, sichern Netzanschlüsse und steuern die Genehmigungsverfahren. Wer das Bundesimmissionsschutzrecht und die regionalen Netzanschlussverfahren kennt, findet derzeit schnell eine Stelle.
Betrieb und Wartung
Techniker für Betrieb und Wartung prüfen Module, reinigen und reparieren Anlagen, tauschen defekte Wechselrichter, schmieren Nachführsysteme und gehen Minderleistungs-Meldungen aus dem SCADA-System nach. Mit rund 117 GW installierter Leistung in Deutschland und einem alternden Anlagenbestand aus dem ersten EEG-Jahrzehnt wächst kaum ein Segment schneller - auch wenn die Beschäftigtenzahl langsamer steigt als die installierte Leistung.

Solartechniker, der eine PV-Anlage auf einem Dach inspiziert. Foto: Kindel Media, Pexels License / Pexels
Ertragsanalysten und Asset-Manager überwachen ganze Portfolios, modellieren Degradationskurven anhand von Wetterdaten und entscheiden, wann eine Anlage erneuert oder refinanziert wird. Bis 2033 fallen über eine Million PV-Anlagen mit zusammen rund 15 GW aus der EEG-Vergütung; ein Repowering mit neuen Modulen eröffnet eine neue 20-jährige Förderperiode und schafft erheblichen Bedarf an Planern und Installateuren mit entsprechender Erfahrung.
Vertrieb und Projektsteuerung
Im Privatkundengeschäft heißt Vertrieb Vor-Ort-Beratung, Energiebedarfsanalyse und Angebotserstellung; im Gewerbe- und Großanlagengeschäft dauern die Verkaufszyklen sechs bis 18 Monate, und das Geschäft lebt von persönlichen Kontakten. EPC-Management verbindet technische Auslegung, Vertragsmanagement und Bauüberwachung; Ausschreibungen setzen häufig eine PRINCE2- oder PMP-Zertifizierung voraus.
Fertigung
Seit dem Aus von Meyer Burger ist die Modulfertigung in Deutschland ein kleines Berufsfeld. Heckert Solar in Chemnitz produziert weiter, Hanwha Q CELLS betreibt Bitterfeld als F&E-Standort, und Oxford PV in Brandenburg an der Havel betreibt eine kommerzielle Fabrik für Perowskit-Silizium-Tandemmodule. Die EU-Kommission hat ein 3-Milliarden-Euro-Beihilfeprogramm für die deutsche Cleantech-Fertigung genehmigt, und der Net-Zero Industry Act zielt EU-weit auf 30 GW Fertigungskapazität bis 2030 ab. Wer Erfahrung in der n-Typ-Zellfertigung, in der Kontaminationskontrolle oder in der Glas- und EVA-Verarbeitung mitbringt, findet Stellen vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg.
Gehälter in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Die folgenden Bruttojahresgehälter gelten für die gängigsten Solarberufe im DACH-Raum.
| Position | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| PV-Installateur / Solarmonteur | 38.000 - 55.000 € | 38.000 - 65.000 € | 74.000 - 90.000 CHF |
| Elektrofachkraft (Elektroniker EuG) mit PV | 45.000 - 65.000 € | 42.000 - 70.000 € | 85.000 - 110.000 CHF |
| Solar-/PV-Ingenieur | 52.000 - 91.000 € | 43.000 - 73.000 € | 95.000 - 131.000 CHF |
| Elektroingenieur (Großanlagen) | 55.000 - 85.000 € | 45.000 - 70.000 € | 95.000 - 131.000 CHF |
| Projektleiter Solar | 52.000 - 85.000 € | 42.000 - 72.000 € | 71.000 - 114.000 CHF |
| O&M-Techniker | 38.000 - 55.000 € | 35.000 - 55.000 € | 74.000 - 90.000 CHF |
| Asset-Manager | 60.000 - 100.000 € | 50.000 - 85.000 € | 100.000 - 150.000 CHF |
| Vertrieb Solar | 36.000 - 65.000 € und mehr | 35.000 - 50.000 € und mehr | 90.000 - 114.000 CHF |
Bruttojahresgehälter, Daten 2025/2026 aus SalaryExpert, StepStone, gehalt.de und Lohnanalyse.ch. Die Angaben für den Vertrieb schließen Provisionen ein. Das deutsche Medianeinkommen lag 2025 bei rund 53.900 € brutto. Eine Spezialisierung auf Hybridkraftwerke, Hochspannung oder Perowskit-Fertigung bringt 10 bis 20 Prozent Aufschlag. Umrechnung: 1 CHF ≈ 1,05 €.
Arbeitsbedingungen
Montagearbeit ist körperlich fordernd, und die Unfallgefahr ist erheblich. Absturz bleibt die häufigste tödliche Unfallursache; die BG BAU zählte 2024 insgesamt 78 tödliche Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft, 36 Prozent davon durch Absturz. Der Dachdeckerverband ZVDH warnt ausdrücklich vor unzureichend geschultem Personal auf Dächern; die gemeinsame Initiative „Sicher auf dem Dach“ mit der BG BAU setzt genau dort an.
Die DC-Seite einer PV-Anlage bleibt bei Tageslicht spannungsführend, unabhängig von der Schalterstellung; ein DC-Lichtbogen brennt schon bei deutlich niedrigeren Spannungen weiter als ein AC-Lichtbogen. Freischaltverfahren, persönliche Schutzausrüstung und modulbasierte Rapid-Shutdown-Geräte senken das Risiko, beseitigen es aber nicht.

Elektriker beim Verkabeln eines Heimspeichers für Solarstrom. Foto: Pexels, Pexels License
Im Norden ist der Jahresrhythmus ausgeprägter als in Bayern und Baden-Württemberg. Zwischen November und Februar gehen die Neuinstallationen auf norddeutschen Hausdächern erkennbar zurück, während der Bau großer Freiflächenanlagen im Süden und auf Konversionsflächen den Winter über weiterläuft. Büroarbeitsplätze in der Planung, im Asset-Management und in der Softwareentwicklung folgen den üblichen Hybridmodellen; Homeoffice ist verbreiteter als in den meisten Bauberufen.
Beim Frauenanteil bleibt die Solarmontage hinter dem Branchenschnitt zurück. Die IRENA beziffert den Frauenanteil an den Erneuerbaren weltweit auf 32 Prozent; in deutschen Montageteams dürfte er einstellig sein. Zwar haben Verbände und Hersteller mehr Programme aufgelegt, doch auf den Baustellen ändern sich die Zahlen bisher kaum.
Ausbildung und Qualifikationen
Der duale Weg führt über die dreijährige Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, zum Anlagenmechaniker SHK, zum Dachdecker oder zum Zimmerer. Das BIBB führt die Photovoltaik in den Teilqualifikationen des Elektronikerberufs inzwischen als eigenes Lernfeld. Darauf bauen die Handwerkskammern mit der Weiterbildung zur Fachkraft für Solartechnik (HWK) auf; die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie vergibt die geschützte Bezeichnung Solarteur über Schulungseinrichtungen wie das ETZ Stuttgart und die RENAC.
Für Ingenieurstellen gilt ein Studium der Elektrotechnik, des Maschinenbaus oder der erneuerbaren Energien als Standard, und spezialisierte Studiengänge wie der duale Bachelor Solartechnik an der DHBW oder der Master Renewable Energies an der RWTH Aachen sind etabliert. Ausschreibungen setzen PVsyst- und Helioscope-Kenntnisse voraus; diese Kenntnisse heben Bewerber nicht mehr voneinander ab. Im Projektmanagement zählen PRINCE2 oder PMP, in der Arbeitssicherheit zählt der GWO Solar Safety Training Standard, 2025 als Erweiterung des etablierten Wind-Sicherheitsstandards eingeführt. Über 190.000 Beschäftigte besitzen bereits GWO-Zertifikate aus dem Windsektor; der Umstieg auf die Solar-Variante fällt entsprechend leicht.
Quereinstieg aus anderen Branchen
Dachdecker, Elektriker, SHK-Fachkräfte und Anlagenmechaniker bringen den Großteil der gefragten Kompetenzen bereits mit; die PV-Zusatzkurse dauern Wochen, nicht Jahre. Aus der Öl- und Gasbranche lassen sich Projektmanagement, Arbeitssicherheit und die Erfahrung im Schichtbetrieb unmittelbar übertragen - die IRENA hält rund die Hälfte der Beschäftigten, die im fossilen Sektor ihre Stelle verlieren, für kurzfristig umschulbar. IT-Fachleute arbeiten an Monitoring-Plattformen, an der Ertragsprognose mit maschinellem Lernen und an Direktvermarktungs-Software wie Heartbeat AI bei 1Komma5°.

Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien nach Ländern. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0
Technologie-Trends
Agri-Photovoltaik hat mit dem Solarpaket I eigene Ausschreibungssegmente bekommen: 800 MW für 2025, 1.200 MW für 2026, steigend auf über 2 GW bis 2029. Fraunhofer ISE schätzt das deutsche Potenzial auf bis zu 500 GW. Daraus entstehen Berufsbilder, die es vor fünf Jahren nicht gab: Projektentwickler mit Agrar-Hintergrund, Fachleute für die Ertragsmodellierung der Doppelnutzung, Spezialisten für schattentolerante Kulturen.

Weltweit installierte Photovoltaikleistung im Zeitverlauf. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0
Gebäudeintegrierte PV wächst in Europa den Prognosen zufolge um 33,8 Prozent pro Jahr. Heliatek in Dresden produziert organische Solarfolien für Fassaden; die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) verlangt ab 2030 für alle Neubauten den Nullemissionsstandard und schreibt Solaranlagen schrittweise vor. Gebäudeintegrierte PV verlangt Fassadentechnik, zertifizierte Verglasungsarbeiten und PV-Elektrik vereint in einer Person - eine Kombination, die kein bestehender Ausbildungsberuf abdeckt.
Schwimmende Solaranlagen auf den Seen ehemaliger Braunkohletagebaue haben in Deutschland ein realistisches Potenzial von 2,74 GWp. SINN Power nahm 2025 in Bayern die weltweit erste vertikale schwimmende PV-Anlage mit 1,87 MW in Betrieb.
Eine Stärke der deutschen Forschung liegt bei den Perowskiten. Fraunhofer ISE und KAUST erreichten im September 2025 einen Wirkungsgrad von 33,1 Prozent für eine Perowskit-Silizium-Tandemzelle. Oxford PV liefert aus der Brandenburger Fabrik seit September 2024 die ersten kommerziellen Tandemmodule und sucht Standorte für die nächste Ausbaustufe. Das schafft Stellen in der Halbleiterfertigung, der Qualitätssicherung und der Prozessintegration - Profile, die in Deutschland sonst nur die Halbleiter- und Glasindustrie hervorbringt.
Daneben entstehen kleinere Felder: das Repowering alter Solarparks, bifaziale Module, Hybridkraftwerke, Eigenverbrauchslösungen, konzentrierende Solarthermie, Gemeinschafts-Solar und der Rückbau alter Anlagen samt Modulrecycling. Wer in den nächsten zehn Jahren in die Solarbranche einsteigt, trifft auf ein deutlich breiteres Berufsspektrum, als es die Generation davor vorfand.
Ausblick 2030
Die 215-GW-Marke bis 2030 ist mit dem aktuellen Tempo von 16 bis 17 GW Zubau pro Jahr nicht zu erreichen; dafür müssten jährlich etwa 19,6 GW dazukommen. Der Engpass sind die Fachkräfte, nicht der Markt. EUPD Research erwartet bis 2030 rund 13.000 zusätzliche Vollzeitstellen, ohne dass die heute bestehende Lücke von 60.000 bis 100.000 Elektrofachkräften damit geschlossen wird. Das Solarpaket I hat das Tempo erhöht, das Solarspitzengesetz dämpft es seit Februar 2025 wieder, und die Modulfertigung ist nach der Meyer-Burger-Insolvenz vom 31. Mai 2025 auf ein knappes Dutzend Standorte zusammengeschrumpft. Für Bewerber mit abgeschlossener Elektroniker-Ausbildung und PV-Kompetenz dürfte es daher auf Jahre hinaus mehr als ein Angebot geben.

Anteil des Stroms aus Solarenergie nach Ländern. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0
Artikel von Jaroslav Holub · Redaktionell bearbeitet von Rejobs