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Jobs in der Fusionsenergie

Rejobs Aktualisiert am 5 Nov 2026 12 Min.

In der Fusion wird heute gebaut, nicht Strom verkauft: Gesucht sind vor allem Ingenieure und Techniker für Magnete, Laser, Vakuum und Fertigung. Wer zu einem Start-up wechselt, sollte auf dessen Finanzierung mehr geben als auf versprochene Kraftwerkstermine.

Kernfusion setzt Energie frei, wenn leichte Wasserstoffkerne in einem rund 150 Millionen Grad heißen Plasma verschmelzen, das Magnetfelder oder Laserpulse zusammenhalten. Ein Fusionskraftwerk, das Strom ins Netz liefert, gibt es bislang nirgendwo. Trotzdem beschäftigen die privaten Fusionsunternehmen weltweit über 16.000 Menschen und sammelten in den zwölf Monaten bis Juli 2026 die Rekordsumme von 4,48 Milliarden US-Dollar ein. Sie wollen Strom liefern, der unabhängig vom Wetter fließt, wenig Fläche braucht und aus Wasser und Lithium gewonnen wird. Neben Wind und Sonne könnte Fusion damit die Rolle übernehmen, die heute Gaskraftwerke spielen.

Deutschland gehört zu den Ländern, in denen diese Arbeit tatsächlich stattfindet. Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) zählte im Juli 2026 1.270 Beschäftigte in Garching und Greifswald, und mit Proxima Fusion, Marvel Fusion, Focused Energy und Gauss Fusion sitzen vier gut finanzierte Start-ups im Land. Die Bundesregierung will, dass hier das erste Fusionskraftwerk der Welt entsteht.

Rejobs ordnet die Fusion den sauberen Energien zu, nicht den erneuerbaren. Die EU-Richtlinie über erneuerbare Energien zählt Wind, Sonne, Geothermie, Umgebungswärme, Meeresenergie, Wasserkraft, Biomasse und Biogas auf; Fusion steht nicht auf dieser Liste. Für die Berufswahl zählt etwas anderes: Wer heute in der Fusion arbeitet, baut und testet Maschinen. Ein Kraftwerk betreibt noch niemand.

Fusionsforschung in Deutschland

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und Greifswald

Das IPP ist der größte Fusionsarbeitgeber in Deutschland. Von den 1.270 Beschäftigten arbeiten 780 in Garching bei München und 490 in Greifswald; 365 sind Wissenschaftler, 255 Nachwuchswissenschaftler. Der Rest sind Ingenieure, Techniker und Verwaltung, also die Mehrheit. In Garching läuft der Tokamak ASDEX Upgrade, in Greifswald der Stellarator Wendelstein 7-X.

Wendelstein 7-X hielt im Mai 2025 einen Spitzenwert des sogenannten Tripelprodukts, der zentralen Kenngröße für ein Fusionsplasma, 43 Sekunden lang und stellte damit einen Weltrekord für lange Entladungen auf. In derselben Kampagne setzte die Anlage in einem 360 Sekunden langen Plasma 1,8 Gigajoule Energie um. Nach einer einjährigen Wartungspause soll sie im September 2026 wieder in Betrieb gehen. Für die Plasmaheizung entwickelt das IPP seit Januar 2026 mit KIT, der Universität Stuttgart und Thales ein Gyrotron mit 2 Megawatt Leistung, gefördert mit 6 Millionen Euro.

KIT, Forschungszentrum Jülich und die Universitäten

Das Karlsruher Institut für Technologie bündelt seine Fusionsarbeit im Programm Fusion: Sicherheit und Werkstoffe, Brutblankets, Tritium-Brennstoffkreislauf und Plasmaheizung, mit dem Tritiumlabor Karlsruhe als Großanlage. Das Forschungszentrum Jülich untersucht im Institut IFN-1 die Wechselwirkung zwischen Plasma und Wand und die Werkstoffe für die erste Wand eines Reaktors, unter anderem für Wendelstein 7-X und ITER. In Garching betreiben die TU München, der Forschungsreaktor FRM II und das IPP seit Juli 2026 das Werkstoffkonsortium FUMA, das der Bund mit rund 4,8 Millionen Euro fördert.

Für Bewerber heißt das: Wer in Werkstofftechnik, Tritiumtechnik oder Hochfrequenztechnik arbeiten will, findet Stellen nicht nur beim IPP, sondern auch in Karlsruhe und Jülich, häufig als Doktorand oder Postdoc in Forschung und Entwicklung.

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Aktionsplan Fusion und Bundesförderung

Seit März 2024 fördert das Forschungsministerium die Fusion im Programm „Fusion 2040“, das bis 2029 mehr als eine Milliarde Euro vorsah. Im Oktober 2025 legte das Kabinett den Aktionsplan Fusion nach, mit dem Ziel, das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland zu bauen. Laut Bundestag umfasst er rund 1,7 Milliarden Euro für „Fusion 2040“ und bis zu 755 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur.

Ein Teil des Geldes fließt in Verbünde aus Forschung und Industrie. Im April 2026 erschien die Förderrichtlinie „Hubs für die Fusion“ für Magnetfusion, Laserfusion sowie Brennstoffkreislauf und Werkstoffe. Den Laserfusions-Hub führen seit Juli 2026 Marvel Fusion und Focused Energy gemeinsam, mit Partnern wie DESY, European XFEL und den Universitäten Hamburg, Kiel und Rostock.

Offen ist noch der Rechtsrahmen. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 21/8415) will Fusionsanlagen als Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlung im Strahlenschutzrecht regeln, nicht im Atomgesetz. Der Bundestag hat ihn am 15. Oktober 2026 in erster Lesung beraten und an die Ausschüsse überwiesen. Für Fachleute in regulatorischer Compliance und Strahlenschutz entsteht damit ein Genehmigungsverfahren, das es so noch nie gab.

Fusions-Start-ups in Deutschland

Weltweit setzen 48 Prozent der Fusionsunternehmen auf magnetischen und 21 Prozent auf Trägheitseinschluss. Beide Wege sind in Deutschland vertreten, und sie suchen unterschiedliche Leute.

Beim magnetischen Einschluss hält ein Magnetfeld das Plasma in einer ringförmigen Vakuumkammer. Tokamaks treiben dazu einen Strom durch das Plasma selbst, Stellaratoren verdrillen das Feld mit kompliziert geformten äußeren Spulen. Ein Stellarator ist schwerer zu konstruieren, läuft dafür aber stabiler. Diesen Weg geht Proxima Fusion aus München. Das Unternehmen sammelte im Juli 2026 411 Millionen Euro ein, insgesamt über 650 Millionen Euro, und beschäftigt rund 200 Menschen. Mit dem Geld will es den Demonstrations-Stellarator Alpha bauen. Er soll in Garching neben dem IPP entstehen, rund 2 Milliarden Euro kosten und Anfang der 2030er-Jahre einen Nettoenergiegewinn zeigen. Bayern hat 400 Millionen Euro zugesagt, die 1,2 Milliarden Euro vom Bund sind laut Max-Planck-Gesellschaft noch nicht bewilligt. Das spätere Kraftwerk Stellaris plant Proxima auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen.

Ebenfalls auf Stellaratoren setzt Gauss Fusion, ein von Industrieunternehmen wie Bruker EAS und RI Research Instruments gegründetes Unternehmen. Es legte im Oktober 2025 einen Konzeptentwurf von über 1.000 Seiten für sein Kraftwerk GIGA vor; ein Demonstrator ist für Mitte der 2030er-Jahre geplant.

Beim Trägheitseinschluss komprimieren Laserpulse eine Brennstoffkapsel so schnell, dass die Kerne verschmelzen, bevor sie auseinanderfliegen. Die National Ignition Facility in Kalifornien hat das im April 2025 mit einem Energiegewinn am Target von 4,13 gezeigt. Ein Kraftwerk müsste das allerdings mehrmals pro Sekunde wiederholen. Focused Energy aus Darmstadt sammelte im Mai 2026 240 Millionen US-Dollar ein, beschäftigt über 160 Wissenschaftler und Ingenieure und will bis Mitte der 2030er-Jahre auf dem ehemaligen RWE-Kraftwerksgelände in Biblis das erste Laserfusionskraftwerk bauen. Marvel Fusion aus München kommt auf 385 Millionen Euro Gesamtfinanzierung, davon 215 Millionen aus öffentlichen Kooperationsprojekten, und baut mit der Colorado State University eine Laseranlage, die 2027 öffnen soll.

Berufsbilder in der Fusionsenergie

Stellenanzeigen in der Fusion ändern sich schnell, weil jede Maschine in wenigen Jahren von der Konstruktion über die Fertigung zur Montage wandert. Die Stellenangebote in der Fusionsenergie auf Rejobs zeigen, was die Branche gerade tut: Sie baut. Bei Commonwealth Fusion Systems, dem am besten finanzierten Fusionsunternehmen der Welt, waren im Oktober 2026 von 136 offenen Stellen zwei in der Plasmaphysik, 26 in der Fertigung und 14 in der Montage des Tokamaks SPARC.

Plasmaphysik und Diagnostik

Physiker entwerfen Entladungsszenarien, simulieren Stabilität und Turbulenz des Plasmas und bauen die Diagnostik, die misst, was im Plasma passiert. Hier ist die Promotion die Regel, und die Arbeit teilt sich zwischen Simulationscode und Experimentierkampagnen. Die meisten dieser Stellen gibt es an öffentlichen Instituten wie IPP, KIT und Jülich, oft befristet.

Magnete, Kryotechnik und Vakuum

Beim magnetischen Einschluss dreht sich der größte Teil der Ingenieursarbeit um die Magnete. Konstrukteure entwerfen Spulen aus Hochtemperatur-Supraleitern (HTS), berechnen elektromagnetische und mechanische Lasten und planen den Schutz für den Fall, dass ein Magnet seine Supraleitung verliert. Eine Stellenanzeige von CFS für einen Maschinenbauingenieur für Kabelmagnete verlangt fünf Jahre Erfahrung mit Finite-Elemente-Berechnungen und kein Fusionswissen. Kryotechniker halten die Magnete auf der Temperatur von flüssigem Helium oder Stickstoff, Vakuumingenieure bauen Kammern und Pumpsysteme für Ultrahochvakuum. Gefragt sind vor allem Maschinenbau und Werkstofftechnik.

Stromversorgung, Plasmaheizung und Regelung

Eine Fusionsanlage ist ein riesiger elektrischer Verbraucher, der seine Leistung schlagartig abruft. Ingenieure für Leistungselektronik entwerfen die Umrichter für die Magnete und die Pulsstromanlagen der Laser- und Pulskonzepte; dazu kommen Fachleute für Hochspannungstechnik. In einer Umfrage der Fusionsbranche nannten 48 Prozent der Befragten Stromversorgung und Komponenten als Engpass. Hochfrequenzingenieure bauen die Gyrotrons und Antennen, die das Plasma heizen, wie das 2-Megawatt-Gyrotron für Wendelstein 7-X. Teams für Regelungs- und Automatisierungstechnik schreiben die Echtzeitregelung, die das Plasma im Millisekundentakt in Position hält, und Softwareentwickler die Datenerfassung und den Maschinenschutz.

Laser und Optik

Laserfusion verlangt ein eigenes Berufsfeld: Laserphysiker, Optikingenieure, Spezialisten für die Herstellung der Brennstoffkapseln und Systemingenieure, die Laser mit hoher Pulsrate auslegen. Focused Energy und Marvel Fusion konkurrieren um diese Leute mit der Laser- und Halbleiterindustrie, die in Deutschland stark vertreten ist.

Brennstoffkreislauf und Werkstoffe

Ein Kraftwerk muss sein Tritium selbst aus Lithium im Blanket um das Plasma erbrüten, zurückgewinnen und wieder einsetzen. Im großen Maßstab hat das noch niemand getan, deshalb verbinden diese Teams Chemieingenieure, Tritiumspezialisten aus der Kerntechnik und Fachleute für Anlagensicherheit. Das KIT mit seinem Tritiumlabor ist dafür in Deutschland die erste Adresse. Werkstoffwissenschaftler untersuchen, wie die Wand unter Plasma und Neutronen verschleißt; H.C. Starck Tungsten in Goslar entwickelt dafür im Programm „Fusion 2040“ Wolframpulver für die erste Wand.

Fertigung, Montage und Qualitätssicherung

Hier entstehen derzeit die meisten Stellen. Fertigungstechniker wickeln Spulen und verbinden supraleitende Bänder, Montagetechniker bauen die Maschine selbst zusammen, Schweißer fügen Kammern in Vakuumqualität, und die Qualitätssicherung prüft jede Naht, auch zerstörungsfrei. Ingenieure in Fertigung und Produktion machen aus Einzelstücken Verfahren, die sich für eine Kraftwerksserie wiederholen lassen.

Genehmigung, Sicherheit und Projektleitung

Sobald Alpha in Garching oder die Anlage in Biblis gebaut wird, brauchen die Unternehmen Fachleute für Strahlenschutz und Arbeitssicherheit, die erste Genehmigungsanträge ihrer Art schreiben. Ebenso gefragt sind Systemingenieure und Projektleiter, die einen Prototyp gegen einen festen Termin bauen. Im Einkauf und Lieferkettenmanagement müssen Fachleute Zulieferer für Bauteile qualifizieren, die noch niemand gefertigt hat.

Gehälter in Deutschland

Die öffentlichen Forschungseinrichtungen bezahlen nach Tarif. Das IPP wendet als Max-Planck-Institut den TVöD Bund an; Wissenschaftler steigen meist in Entgeltgruppe E13 ein, Ingenieure in E11, Techniker in E9b.

Beruf Entgeltgruppe Monatlich brutto (Stufe 1 bis 6) Jährlich brutto
Physiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter E13 5.881 - 8.431 € 70.600 - 101.200 €
Ingenieur (Maschinenbau, Elektrotechnik) E11 5.124 - 7.592 € 61.500 - 91.100 €
Techniker, Fertigung und Montage E9b 4.600 - 6.357 € 55.200 - 76.300 €

Entgelttabelle TVöD Bund, gültig vom 1. Mai 2026 bis 31. März 2027; Jahreswerte als zwölf Monatsgehälter ohne Jahressonderzahlung. Stufe 6 erreicht man erst nach rund 15 Jahren in derselben Entgeltgruppe. Start-ups veröffentlichen keine Gehaltsspannen.

Deutsche Start-ups zahlen nach eigenem Ermessen und oft mit Firmenanteilen, die sich erst bei einem Börsengang oder Verkauf zu Geld machen lassen. Die höchsten Gehälter der Branche zahlen US-Unternehmen: CFS schrieb im Oktober 2026 Stellen für erfahrene Leistungselektronik-Ingenieure mit 134.000 bis 205.000 US-Dollar im Jahr aus. ITER zahlt nach eigener Tabelle Nettogehälter, die von der französischen Einkommensteuer befreit sind.

Arbeitsbedingungen

Die Fusion ballt sich an wenigen Orten, und ein Umzug gehört oft zum Job. In Deutschland sind das Garching und München, Greifswald, Karlsruhe, Jülich und Darmstadt, bald auch Biblis. Im Ausland kommen Cadarache in der Provence mit ITER, Barcelona mit Fusion for Energy und Oxfordshire mit der britischen Atombehörde UKAEA hinzu.

Der Arbeitsplatz hängt davon ab, in welcher Phase eine Maschine steckt. Konstruktions- und Physikteams arbeiten in Büros und Laboren, oft mit Homeoffice-Anteil. In der Fertigung wird in Schichten gearbeitet: Die Fertigungstechniker von CFS arbeiten in der Spätschicht von 14 bis 22.30 Uhr, heben Lasten bis rund 23 Kilogramm und arbeiten neben starken Magneten und tiefkalten Flüssigkeiten. Wo gebaut wird, gelten die Bedingungen jeder großen Kraftwerksbaustelle.

Exportkontrolle spielt eine größere Rolle als in anderen Bereichen der sauberen Energie, weil Fusion an Laser, Waffenphysik und Hochleistungswerkstoffe grenzt. CFS verlangt in Stellenanzeigen die Einhaltung der US-Exportkontrollgesetze, was Nicht-US-Bürger bei manchen Aufgaben einschränken kann.

Das größte Risiko ist finanziell. General Fusion, eines der ältesten privaten Fusionsunternehmen, entließ im Mai 2025 rund ein Viertel seiner etwa 140 Beschäftigten, als das Geld knapp wurde. Wer zu einem Start-up wechselt, sollte fragen, für wie viele Monate das Geld reicht, an welchem Meilenstein die nächste Finanzierungsrunde hängt und was mit dem Team passiert, wenn er sich verschiebt. Öffentliche Institute tragen dieses Risiko nicht, vergeben dafür aber häufiger befristete Verträge.

Ausbildung und Qualifikationen

Der direkteste Weg führt über ein Physikstudium mit Schwerpunkt Plasmaphysik und eine Promotion an einem der Fusionsinstitute. Das IPP arbeitet eng mit der TU München zusammen, die Universitäten Greifswald und Stuttgart sind über Wendelstein 7-X und die Plasmaheizung beteiligt, das KIT bildet Ingenieure für Brutblankets, Tritium und Gyrotrons aus.

Für Ingenieursstellen ist ein Abschluss in Plasmaphysik nicht nötig. Start-ups und Institute stellen Maschinenbauer, Elektroingenieure, Werkstoffwissenschaftler und Informatiker ein und bringen ihnen die Fusion bei. ITER bietet Praktika und ein Programm für Absolventen; über das Programm ITER Project Associates können Institute aus den Mitgliedsländern eigene Beschäftigte für bis zu vier Jahre nach Cadarache entsenden.

Quereinstieg aus anderen Branchen

Fusionsunternehmen suchen Leute dort, wo es ähnliche Technik schon gibt. CFS nennt in einer Anzeige für einen leitenden Montagetechniker Luftfahrt, Halbleiter sowie Öl und Gas als passende Herkunftsbranchen.

  • Kerntechnik. Strahlenschutz, Qualitätssicherung nach kerntechnischen Regeln, Umgang mit Tritium und Genehmigungsverfahren lassen sich fast unverändert übertragen. Mit dem Rückbau der deutschen Kernkraftwerke sind solche Fachleute verfügbar.
  • Teilchenbeschleuniger und Großforschung. Hochfrequenzheizung, Ultrahochvakuum, Kryotechnik und Pulsstrom gehören bei DESY, GSI oder CERN zum Alltag.
  • Supraleitende Magnete und Medizintechnik. Spulenwicklung, Quench-Schutz und Kryostatbau gelten für HTS-Magnete genauso, nur mit anderem Leiter.
  • Luft- und Raumfahrt. Präzisionsmontage, Konfigurationsmanagement und enge Toleranzen mit lückenloser Rückverfolgbarkeit.
  • Halbleiter und Lasertechnik. Reinraumdisziplin, Vakuumbeschichtung und Prozesskontrolle passen zur Fertigung von HTS-Bändern; Laseringenieure finden bei Focused Energy und Marvel Fusion direkte Anschlussstellen.
  • Anlagenbau und Energiewirtschaft. Druckgeräte, Schweißen nach Regelwerk, Rohrleitungsberechnung und die Leitung großer Bauprojekte werden gebraucht, sobald Kraftwerke entstehen.

Wichtige Arbeitgeber

Forschungseinrichtungen in Deutschland

Start-ups in Deutschland

  • Proxima Fusion - München, Stellarator; rund 200 Beschäftigte, Demonstrator Alpha in Garching, Kraftwerk Stellaris in Gundremmingen geplant
  • Focused Energy - Darmstadt, Laserfusion; über 160 Beschäftigte, Kraftwerksstandort Biblis
  • Marvel Fusion - München, Laserfusion und Industrielaser; über 120 Beschäftigte, Laseranlage in Colorado ab 2027
  • Gauss Fusion - Stellarator, gegründet von Industrieunternehmen; Demonstrator Mitte der 2030er-Jahre

Europäische Projekte

  • ITER - Saint-Paul-lez-Durance, Frankreich; rund 1.100 direkt Beschäftigte, Forschungsbetrieb ab 2034
  • Fusion for Energy - Barcelona, EU-Agentur, die den europäischen Beitrag zu ITER verwaltet
  • UKAEA - Culham, Großbritannien; nationales Fusionslabor mit 2.600 Beschäftigten und Zentrum für fernhantierte Wartung
  • CEA IRFM - Cadarache, Frankreich; Tokamak WEST neben der ITER-Baustelle

Unternehmen in den USA

  • Commonwealth Fusion Systems - Devens (Massachusetts), Tokamak SPARC mit HTS-Magneten
  • Helion - Everett (Washington), Pulskonzept; Kraftwerk Orion soll ab 2028 Microsoft beliefern
  • Type One Energy - Knoxville (Tennessee), Stellarator-Kraftwerk mit dem Versorger TVA

Arbeiten im Ausland: ITER, Fusion for Energy und die Schweiz

ITER ist das größte Fusionsprojekt der Welt und zugleich die deutlichste Warnung vor Terminversprechen. Nach dem aktuellen Plan beginnt der Forschungsbetrieb 2034, der Betrieb mit Deuterium und Tritium 2039, vier Jahre später als vorgesehen. Auf der Baustelle arbeiten rund 5.000 Menschen. Bewerbungen nimmt ITER nur über die eigene Website an.

Fusion for Energy in Barcelona stellt vor allem Bedienstete auf Zeit mit Fünfjahres- und Vertragsbedienstete mit Dreijahresverträgen ein. Bewerben können sich Staatsangehörige der EU-Mitgliedstaaten und der assoziierten Länder des Euratom-Programms; gesucht sind vor allem Ingenieure, Projektmanager und Fachleute für öffentliche Vergabe.

In der Schweiz betreibt das Swiss Plasma Center der EPFL in Lausanne einen eigenen Tokamak. Postdocs verdienen dort laut Gehaltstabelle der Hochschule 88.000 bis 92.500 Franken im Jahr.

Zwei weitere Bereiche der sauberen Energie teilen viel Technik mit der Fusion: Hochspannung und Netzanschluss verbinden sie mit Netzen und Energieversorgern, die Leistungselektronik der Pulsanlagen mit der Energiespeicherung.

Ausblick 2030

Die nächsten vier Jahre prüfen die Zeitpläne, auf denen die heutige Einstellungswelle beruht. CFS will 2027 mit SPARC zeigen, dass ein Plasma mehr Fusionsenergie liefert, als hineingesteckt wird. Helion hat Microsoft Strom aus Orion für 2028 zugesagt, Proxima will mit Alpha Anfang der 2030er-Jahre einen Nettoenergiegewinn erreichen. Von den Unternehmen, die der Branchenverband FIA befragt hat, erwarten 71 Prozent den ersten kommerziellen Fusionsstrom in den 2030er-Jahren. Das sind Prognosen derer, die für die Fusion Geld einsammeln.

In Deutschland stehen zwei Entscheidungen aus. Der Bund hat die 1,2 Milliarden Euro, die Alpha in Garching noch braucht, nicht bewilligt, und das Strahlenschutzrecht für Fusionsanlagen liegt in den Ausschüssen des Bundestags. Kommt beides, verschiebt sich die Nachfrage von Spulenwicklern und Physikern zu Bauleitern, Anlagenfahrern und Genehmigungsfachleuten.

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