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Jobs bei Netzen und Energieversorgern

Rejobs Aktualisiert am 5 Nov 2026 13 Min.

Nicht die Erzeugung bremst die Energiewende, sondern der Anschluss ans Netz. Netzbetreiber planen Jahre im Voraus und suchen Monteure, Planer und Netzführer; wer bei einem tarifgebundenen Arbeitgeber anfängt, verdient oft deutlich mehr, als Gehaltsportale zeigen.

Für Batteriespeicher gingen 2025 bei deutschen Netzbetreibern 18.158 Anschlussanfragen mit zusammen rund 573 Gigawatt ein. Zugesagt wurden im selben Jahr rund 54 Gigawatt. Viele Projekte sind mehrfach angemeldet, doch das Muster ist eindeutig: Nicht mehr die Erzeugung bremst die Energiewende, sondern der Anschluss ans Netz.

Netze und Energieversorger umfassen alles zwischen Kraftwerk und Steckdose: Übertragungs- und Verteilnetze, Umspannwerke, Zähler und die Unternehmen, die Strom transportieren, handeln und abrechnen. Das Netz erzeugt selbst keinen Strom und ist keine erneuerbare Energie. Es bestimmt aber, wie schnell Solar- und Windparks, Speicher, Wärmepumpen und Ladesäulen in Betrieb gehen. Deshalb planen die vier Übertragungsnetzbetreiber bis 2045 Investitionen von 365 bis 392 Milliarden Euro. Schwerer zu beschaffen als Geld sind die Menschen. Weltweit bauen und betreiben rund 8 Millionen Menschen Stromnetze, und in den Netzberufen kommen auf jeden jungen Einsteiger 1,4 Beschäftigte kurz vor der Rente.

110-kV-Umspannwerk Oege der Mark-E in Hagen, Nordrhein-Westfalen
110-kV-Umspannwerk Oege der Mark-E in Hagen, Nordrhein-Westfalen. Foto: Klaus Bärwinkel, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Netzanschlüsse und Stromverbrauch in Deutschland

Das deutsche Stromnetz wurde für eine Richtung gebaut: Großkraftwerke speisen ein, Verbraucher entnehmen. Heute speisen Millionen Dachanlagen ein, und zugleich wächst die Last. Nach dem Netzentwicklungsplan steigt der Bruttostromverbrauch von 518 Terawattstunden im Jahr 2024 auf 866 bis 1.087 Terawattstunden im Jahr 2037. Die Szenarien rechnen bis dahin mit 7,7 bis 9,5 Millionen Wärmepumpen statt heute 2 Millionen und mit 27,8 bis 37,8 Millionen Elektroautos statt 2,4 Millionen.

Stromnachfrage von 1985 bis heute in Tschechien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den USA und China
Stromnachfrage von 1985 bis heute in Tschechien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den USA und China. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Am sichtbarsten wird der Druck bei den Großbatterien. Die 573 Gigawatt Anfragen verteilten sich 2025 auf 17.775 Begehren bei Verteilnetzbetreibern und 383 bei Übertragungsnetzbetreibern. Weil dasselbe Projekt oft an mehreren Standorten angemeldet wird, liegt die tatsächliche Zahl weit darunter, wie pv magazine betont. Trotzdem muss jede Anfrage geprüft, berechnet und beantwortet werden. Im Dezember 2025 schlugen die Übertragungsnetzbetreiber deshalb vor, Anschlüsse nicht mehr nach Eingang, sondern nach Reifegrad der Projekte zu vergeben, in jährlichen Runden mit gemeinsamer Netzstudie. Auch Rechenzentren drängen ans Netz: Die Netzbetreiber gehen im neuen Szenariorahmen davon aus, dass der Boom bei Rechenzentren und Großbatteriespeichern anhält.

Anteil der gesamten Stromnachfrage, der von Rechenzentren verbraucht wird: China, die USA und die Welt
Anteil der gesamten Stromnachfrage, der von Rechenzentren verbraucht wird: China, die USA und die Welt. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Diese Warteschlange beschäftigt Netzplaner und Ingenieure für den Netzanschluss, die bei vielen Netzbetreibern knapp sind. Jede Anfrage endet in einer Zusage mit Termin und Kosten oder in einer Absage, und hinter jeder Zusage stehen ein Umspannwerk, eine Kabeltrasse oder eine Netzverstärkung, die jemand bauen muss.

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Netzausbau und Investitionen in Deutschland

Übertragungsnetz: TenneT, Amprion, 50Hertz und TransnetBW

Die vier Übertragungsnetzbetreiber investieren so viel wie nie. TenneT steckte 2025 10,05 Milliarden Euro in das deutsche Netz und plant für 2025 bis 2029 insgesamt 65 Milliarden Euro. Amprion investierte 5,4 Milliarden Euro und will bis 2030 rund 42 Milliarden ausgeben, 50Hertz kam auf 3,8 Milliarden Euro. TransnetBW plant bis 2030 rund 14 Milliarden Euro. Zusammen beschäftigen die vier über 12.000 Menschen.

Gebaut wird vor allem, was lange genehmigt wurde. Die Bundesnetzagentur genehmigte 2025 rund 2.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen nach 1.280 Kilometern im Vorjahr. Von den gesetzlich vorgesehenen 16.800 Kilometern sind damit rund 4.700 vollständig genehmigt. Für die großen Gleichstromtrassen A-Nord, Ultranet, SuedLink und SuedOstLink ist die Planfeststellung abgeschlossen. SuedOstLink soll 2027 und 2030 in zwei Abschnitten ans Netz gehen, SuedLink Ende 2028.

110-kV-Umspannwerk Roxel in Münster, Nordrhein-Westfalen
110-kV-Umspannwerk Roxel in Münster, Nordrhein-Westfalen. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Verteilnetze und Stadtwerke

Unter dem Übertragungsnetz liegen die Verteilnetze, und dort entsteht der größte Teil der Arbeit, denn hier werden Wärmepumpen, Wallboxen und Dachanlagen angeschlossen. Große Verteilnetzbetreiber wie Westnetz, Bayernwerk, E.DIS, Avacon und Netze BW gehören zu E.ON oder EnBW. E.ON hat von seinem Investitionsplan über 43 Milliarden Euro für 2024 bis 2028 rund 35 Milliarden für die Netze vorgesehen. Netze BW betreibt allein 62.300 Kilometer Niederspannungs- und 28.396 Kilometer Mittelspannungsnetz.

Daneben stehen die Stadtwerke. Der Verband kommunaler Unternehmen zählt über 1.600 Mitgliedsunternehmen mit rund 319.000 Beschäftigten, und seine Mitglieder transportieren zwei Drittel des Stroms in deutschen Netzen. Stadtwerke sind oft der erste Kontakt mit der Branche: Netz, Vertrieb, Erzeugung und Wärme liegen unter einem Dach, der Arbeitsort ist planbar, und gezahlt wird meist nach Tarif.

Netzbetreiber arbeiten mit regulierten Erlösen und Investitionsplänen, die Jahre im Voraus feststehen. Monteure, Planer und Netzführer werden deshalb nicht nach dem Strompreis eingestellt und entlassen.

Fachkräftemangel in der Netzbranche

Die Elektroberufe gehören zu den knappsten in Deutschland. Nach Berechnungen des KOFA fehlten 2024 18.343 Fachkräfte in der Bauelektrik, 14.218 in der elektrischen Betriebstechnik und 8.519 Experten in der Elektrotechnik. In den 31 energierelevanten Berufen, die das IW untersucht hat, blieben 2024 knapp 119.000 von 185.000 offenen Stellen unbesetzt, 64 Prozent.

Netzingenieur in Warnweste, der industrielle Maschinen inspiziert
Netzingenieur in Warnweste, der industrielle Maschinen inspiziert. Foto: Pexels, Pexels License

Der Mangel betrifft alle Ebenen, vom Monteur bis zum Schutztechniker. Netzbetreiber bilden deshalb selbst aus, holen Quereinsteiger aus der Industrie und werben bei Stadtwerken und Installationsbetrieben ab. Wer eine elektrotechnische Ausbildung und einige Jahre Erfahrung mitbringt, kann sich den Arbeitgeber in den meisten Regionen aussuchen.

Berufsbilder entlang der Wertschöpfungskette

Die Arbeit reicht vom Mast bis zum Handelsraum, und ein großer Verteilnetzbetreiber beschäftigt die meisten der folgenden Berufe zugleich. Die Stellenangebote bei Netzen und Energieversorgern zeigen deshalb Elektroniker neben Analysten, Händlern und Kundenberatern.

Freileitungs- und Kabelmontage

Freileitungsmonteure bauen, prüfen und reparieren Leitungen an Masten, oft kurz nach dem Freischalten. Kabelmonteure tun dasselbe im Boden: Sie verbinden und setzen Endverschlüsse an Mittel- und Hochspannungskabeln in Gräben und Umspannwerken. In Städten, wo das Verteilnetz fast vollständig verkabelt ist, wartet jeder neue Anschluss auf sie. Beide Tätigkeiten stehen hinter den Stellen in der Freileitungs- und Kabelmontage und der Hochspannungstechnik, die Netzbetreiber und ihre Dienstleister das ganze Jahr ausschreiben. Die IEA zählt Leitungsmonteure zu den am schwersten zu besetzenden Berufen der gesamten Energiewirtschaft.

Umspannwerke, Schutztechnik und HGÜ

Ingenieure für Umspannwerkstechnik planen, bauen und warten die Knoten, an denen die Spannung zwischen den Netzebenen umgespannt wird. Die Anlagen werden digital: Intelligente elektronische Geräte ersetzen elektromechanische Relais, und E.ON nahm im Juli 2025 seine 10.000. digitale Ortsnetzstation in Betrieb. Gefragt sind vor allem Ingenieure, die Altanlagen mit der Stationsleittechnik nach IEC 61850 verbinden können.

Netztechniker überprüfen die Ausrüstung in einem Umspannwerk
Netztechniker überprüfen die Ausrüstung in einem Umspannwerk. Foto: Pexels, Pexels License

Schutz- und Leittechniker parametrieren und prüfen die Schutzeinrichtungen, die einen Fehler im Netz in Millisekunden erkennen und den betroffenen Abschnitt selektiv abschalten. Eine Fehlparametrierung schaltet entweder einen Fehler nicht ab, was Brände und zerstörte Betriebsmittel riskiert, oder sie löst ohne Grund aus und lässt Tausende Kunden ohne Strom. Die Stellen laufen unter Schutz- und Steuerungssysteme und gehören zu den bestbezahlten Ingenieursstellen bei Netzbetreibern. Die Gleichstromtrassen SuedLink, SuedOstLink und Ultranet und die Offshore-Anbindungen in der Nordsee schaffen zudem Stellen in der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung und der Leistungselektronik der Konverterstationen.

Netzplanung und Netzanschluss

Netzplaner entscheiden, wo das Netz wachsen muss. Sie berechnen Lastflüsse und Kurzschlussströme, modellieren, wie viele Wärmepumpen, Solaranlagen oder Ladepunkte ein Strang verträgt, und bereiten die Investitionsanträge vor, die die Regulierungsbehörde prüft. Grundlage ist die Berechnung von Energiesystemen; die Stellen heißen Netzplaner, Asset-Stratege oder Ingenieur für Netzmodernisierung. In der Stromübertragung und -verteilung ist die Netzanschlussplanung der Bereich, in dem die Warteschlange zum Tagesgeschäft wird. Wer hier arbeitet, kennt das Netz besser als fast jeder andere im Unternehmen und wechselt leicht zu Projektentwicklern und zurück.

Netzführung und Leitstelle

Netzführer steuern das Netz rund um die Uhr aus der Leitstelle. Sie schalten Leitungen für Wartungsarbeiten frei, stellen nach Störungen die Versorgung wieder her und gleichen Erzeugung und Verbrauch aus, während sich die Leistung von Wind und Sonne über den Tag ändert. Eine falsche Schaltfolge kann Monteure an der Leitung gefährden, deshalb setzt die Arbeit eine Schaltberechtigung und eine lange Einarbeitung unter Aufsicht voraus. Hinter den Netzführern pflegen Ingenieure die SCADA-Systeme, die Messwerte von Tausenden Anlagen sammeln, und Fachleute für OT-Sicherheit schützen Leitsysteme, die sich nicht einfach patchen und neu starten lassen. Seit das NIS-2-Umsetzungsgesetz im Dezember 2025 in Kraft trat, beaufsichtigt das BSI rund 29.500 Einrichtungen statt bisher 4.500.

Messwesen und Smart Meter

Am Zähler trifft das Netz auf den Kunden, und der Einbau intelligenter Messsysteme ist für Elektriker einer der einfachsten Wege in die Branche. Zum 30. Juni 2026 waren in Deutschland 3,17 Millionen intelligente Messsysteme eingebaut, allein im ersten Halbjahr kamen rund 765.000 hinzu. Bei den Pflichteinbaufällen ist damit erst gut ein Viertel erreicht. Das Messstellenbetriebsgesetz verlangt 90 Prozent bis Ende 2032, deshalb stellen Messstellenbetreiber im Messwesen weiter in großer Zahl Monteure ein. Seit 2024 dürfen Netzbetreiber Wärmepumpen, Wallboxen und Speicher nach § 14a EnWG bei Überlastung bis auf eine garantierte Mindestleistung von 4,2 Kilowatt drosseln, was ohne Messsysteme und Steuerboxen nicht funktioniert.

Intelligenter Haushaltsstromzähler von Logarex zeigt den Echtzeitverbrauch an
Intelligenter Haushaltsstromzähler von Logarex zeigt den Echtzeitverbrauch an. Foto: RobbieIanMorrison, CC BY 4.0 / Wikimedia Commons

Flexibilität, Energiehandel und Marktanalyse

Flexibilität ist billiger als neue Leitungen: Kunden werden dafür bezahlt, dass sie ihren Verbrauch verschieben, wenn das Netz eng ist. Manager für Lastmanagement gewinnen Industriekunden für solche Programme, und Betreiber virtueller Kraftwerke bündeln Batterien, Blockheizkraftwerke und flexible Lasten zu einer handelbaren Einheit. Next Kraftwerke aus Köln vernetzt allein mehr als 15 Gigawatt. Dieselben Kenntnisse brauchen Arbeitgeber für dezentrale Energieressourcen, Mikronetze und Vehicle-to-Grid, das BMW und E.ON im September 2025 als erstes kommerzielles Angebot Deutschlands auf den Markt brachten.

Am Markt kaufen und verkaufen Händler von Versorgern, Aggregatoren und Speicherbetreibern Strom am Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemarkt. In Stellenanzeigen für den Energiehandel ist Python inzwischen fast so selbstverständlich wie Marktkenntnis. Fachleute für Energiemarktanalyse erstellen Preisprognosen, entwerfen Tarife und bereiten die Unterlagen vor, mit denen Netzbetreiber zur Bundesnetzagentur gehen.

Kaufmännische Berufe, Kundenservice und Regulierung

Ein großer Teil der Beschäftigten bei Netzbetreibern und Versorgern fasst nie ein Kabel an. Sie arbeiten im Rechnungswesen, im Personalwesen, im Einkauf, in der IT und im Kundenservice, der Netzanschlussanträge, Zählerwechsel und Abrechnungen bearbeitet. Weil die Bundesnetzagentur die Erlöse eines Netzbetreibers für mehrere Jahre festlegt, sind die Teams für regulatorische Compliance und Regulierungsmanagement keine Nebenabteilung: Ihre Unterlagen entscheiden, wie viel das Unternehmen investieren und berechnen darf.

Gehälter in Deutschland

Bei Stadtwerken gilt meist der Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V), bei großen Netzbetreibern Haustarife mit ver.di oder der IG BCE. Der TV-V zahlt seit dem 1. Juni 2026 monatlich brutto:

Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 6
EG 5 4.207 € 4.962 €
EG 8 5.136 € 6.234 €
EG 10 5.894 € 7.507 €
EG 12 6.713 € 9.087 €

Entgelttabelle TV-V, gültig vom 1. Juni 2026 bis 31. März 2027. In welche Gruppe eine Stelle fällt, legt der Arbeitgeber nach Tätigkeit und Qualifikation fest.

Die Gehaltsportale zeigen Durchschnittswerte über tarifgebundene und nicht tarifgebundene Arbeitgeber hinweg, die oft niedriger liegen:

Beruf Spanne (EUR) Median (EUR)
Freileitungsmonteur 32.900 - 48.100 40.000
Netzmonteur 34.300 - 48.300 40.800
Elektroniker für Betriebstechnik 34.200 - 48.000 39.900
Netzplaner 37.200 - 53.700 43.300
Ingenieur Energietechnik 46.000 - 64.300 53.200
Ingenieur Elektrotechnik 51.900 - 71.400 60.400

Bruttojahresgehälter 2026 nach StepStone (Freileitungsmonteur, Netzmonteur, Elektroniker für Betriebstechnik, Netzplaner, Ingenieur Energietechnik, Ingenieur Elektrotechnik). Ohne Bereitschafts-, Überstunden- und Schichtzulagen.

Schon die unterste dargestellte TV-V-Gruppe ergibt aufs Jahr gerechnet rund 50.500 Euro und liegt damit deutlich über dem Median der Portale für Monteure. Ob ein Arbeitgeber tarifgebunden ist, macht beim Gehalt oft mehr aus als der Berufstitel. Zulagen für Rufbereitschaft und Schichtdienst kommen in beiden Fällen hinzu.

Arbeitsbedingungen

Die Netzbranche verteilt sich auf drei Arbeitsorte, und der Unterschied zwischen ihnen ist größer als der zwischen den Arbeitgebern.

Leitstellen sind rund um die Uhr besetzt. Netzführer bei Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern arbeiten im Wechselschichtdienst mit Acht- oder Zwölf-Stunden-Schichten, auch am Wochenende und an Feiertagen. Meist heißt das konzentrierte Arbeit am Bildschirm, doch ein Sturm kann eine ruhige Nacht in Stunden der Störungsbeseitigung verwandeln.

Außendienst heißt körperliche Arbeit bei jedem Wetter. Freileitungsmonteure steigen auf Masten oder arbeiten von Hubarbeitsbühnen aus, Kabelmonteure verbringen lange Tage in Gräben und engen Stationen. Vor jeder Arbeit an Hochspannungsanlagen gelten die fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100. Nach Unwettern folgen lange Einsatztage, und Trupps helfen in anderen Regionen aus. Rufbereitschaft gehört zum Arbeitsvertrag.

Im Büro arbeitet die Mehrheit. Planer, Netzanschlussingenieure, Analysten, Händler und die kaufmännischen Abteilungen arbeiten zu üblichen Zeiten und meist mit Homeoffice-Anteil. Planer fahren trotzdem regelmäßig auf Baustellen, um die Anlagen zu kennen, die sie planen. Vollständig ortsunabhängig arbeitet man am ehesten bei Aggregatoren und Softwarefirmen.

Was die Branche vom Rest der Energiewirtschaft unterscheidet, ist die Stabilität. Bezahlt wird sie mit Bürokratie, langsameren Beförderungen und einer Gehaltsobergrenze unter der von Handelshäusern oder Herstellern. Frauen stellen nur 24 Prozent der Beschäftigten im EU-Energiesektor, im Außendienst und in den Leitstellen deutlich weniger.

Ausbildung und Qualifikationen

In den Außendienst und die Leitstelle führt der Weg über eine elektrotechnische Ausbildung. Die Ausbildung zum Elektroniker im Handwerk dauert dreieinhalb Jahre; Netzbetreiber und Hersteller bilden außerdem Elektroniker für Betriebstechnik aus. Für Arbeiten an Hoch- und Mittelspannungsanlagen kommt die Schaltberechtigung des Arbeitgebers hinzu, die jährliche Unterweisungen verlangt. Mit dem Meister oder dem staatlich geprüften Techniker führt der Weg in die Teamleitung.

Ingenieursstellen besetzen Netzbetreiber vor allem mit Absolventen der Elektro- und Energietechnik, etwa der RWTH Aachen, der TU München oder des KIT. Wer sich spezialisieren will, belegt Schulungen zur Stationsleittechnik nach IEC 61850, die Zertifizierung GICSP für die Sicherheit von Leitsystemen oder Herstellerschulungen von Siemens Energy, Hitachi Energy oder Schneider Electric für Schutzsysteme. Für die Modellierung von Netzen und Energiesystemen sind Programmierkenntnisse in Python inzwischen Standard.

Quereinstieg aus anderen Branchen

Die Netzbranche stellt Quereinsteiger ein, weil Absolventen allein nicht reichen.

Aus dem Elektrohandwerk führt der direkteste Weg. Ein Elektroniker mit Berufserfahrung kann im Messwesen oder in der Wartung von Ortsnetzstationen anfangen und sich über die Schaltberechtigung des Netzbetreibers zur Arbeit an Mittel- und Hochspannung hocharbeiten.

Aus Kraftwerken, Chemie und Industrie bringen Anlagenfahrer, Prozessleittechniker und Fachleute für Arbeitssicherheit Schichterfahrung, Arbeit nach Freigabeverfahren und Erfahrung mit industriellen Leitsystemen mit. Mit dem Kohleausstieg werden solche Fachkräfte frei. Elektroingenieure aus Bahnstromanlagen und industrieller Energieversorgung wechseln mit wenig Einarbeitung in Schutztechnik und Netzplanung.

Aus IT und Telekommunikation kommen Netzwerkingenieure, Datenspezialisten und IT-Sicherheitsfachleute in die SCADA-Technik, das Messwesen und die OT-Sicherheit. Lastfluss, Netzregeln und Marktabrechnung lernen sie im Job; die Arbeitgeber nehmen das in Kauf, weil Softwarekenntnisse knapper sind als Netzwissen.

Aus Finanzwesen, Beratung und Verwaltung wechseln Ökonomen, Finanzanalysten und Einkäufer in die kaufmännischen Abteilungen der Netzbetreiber, wo Kenntnis der Anreizregulierung oft mehr zählt als ein Studium der Energietechnik.

Wichtige Arbeitgeber

Übertragungsnetzbetreiber

  • TenneT - Bayreuth, Übertragungsnetz von Schleswig-Holstein bis Bayern und Nordsee-Anbindungen; über 5.000 Beschäftigte in Deutschland, 10,05 Milliarden Euro Investitionen 2025
  • Amprion - Dortmund, 11.000 Kilometer Höchstspannungsnetz im Westen; 3.400 Beschäftigte, rund 42 Milliarden Euro Investitionen bis 2030
  • 50Hertz - Berlin, Übertragungsnetz in Nord- und Ostdeutschland, Teil der belgischen Elia Group; 2.532 Beschäftigte
  • TransnetBW - Stuttgart, Übertragungsnetz in Baden-Württemberg und Partner bei SuedLink; 1.850 Beschäftigte

Verteilnetzbetreiber

  • Westnetz - Dortmund, Verteilnetzbetreiber in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen; Teil von E.ON
  • Bayernwerk - Regensburg, größter regionaler Verteilnetzbetreiber Bayerns; Teil von E.ON
  • E.DIS - Fürstenwalde, Verteilnetz in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Teil von E.ON
  • Netze BW - Stuttgart, größter Verteilnetzbetreiber Baden-Württembergs; Teil von EnBW
  • Stromnetz Berlin - Berlin, Verteilnetz der Hauptstadt in Landesbesitz
  • Hamburger Energienetze - Hamburg, Strom- und Gasnetz der Stadt; rund 2.400 Beschäftigte

Stadtwerke und Versorger

  • Stadtwerke München - München, einer der größten kommunalen Versorger mit eigenem Netz, Erzeugung und Fernwärme
  • MVV Energie - Mannheim, Versorger mit Netz-, Wärme- und Energiedienstleistungsgeschäft
  • Thüga - München, Verbund von rund hundert Stadtwerken mit gemeinsamen Netz- und IT-Diensten
  • EWE - Oldenburg, Netz, Vertrieb und Telekommunikation im Nordwesten

Hersteller

Flexibilität und Energiehandel

  • Next Kraftwerke - Köln, eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas mit mehr als 15 Gigawatt; gehört zu Shell
  • 1KOMMA5° - Hamburg, virtuelles Kraftwerk für Privathaushalte mit Solaranlagen, Speichern und Wärmepumpen
  • Rabot Energy - Hamburg, Stromanbieter mit dynamischen Tarifen auf Basis der Börsenpreise

Angrenzende Sektoren

Das Netz ist der gemeinsame Nenner aller sauberen Energien. Solar- und Windparks verkaufen ohne Anschluss keinen Strom, Energiespeicher können ohne ihn weder laden noch entladen, und Wärmepumpen und Ladesäulen aus der Elektrifizierung und Energieeffizienz bringen zusätzliche Last. Deshalb wechseln Fachleute leicht zwischen den Bereichen: Leistungselektroniker arbeiten an Umrichtern für Netze, Batteriespeicher und Ladesäulen mit derselben Technik, und Netzanschlussplaner gehen zu Projektentwicklern und wieder zurück.

Anteil der aus erneuerbaren Energien erzeugten Elektrizität in den wichtigsten europäischen Märkten
Anteil der aus erneuerbaren Energien erzeugten Elektrizität in den wichtigsten europäischen Märkten. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Netz, desto mehr Arbeit haben Netzplaner, Netzführer und Flexibilitätshändler.

Ausblick 2030

Bis 2030 wollen TenneT und Amprion allein über 100 Milliarden Euro investieren, von den 16.800 Kilometern gesetzlich geplanter Höchstspannungsleitungen ist erst gut ein Viertel vollständig genehmigt, und bei den intelligenten Messsystemen fehlen bis 2032 noch fast drei Viertel der Pflichteinbauten. Dazu kommen die Batterien, Rechenzentren und Wärmepumpen, die auf einen Anschluss warten. Für jedes Gigawatt, das ans Netz geht, braucht es einen Planer, einen Monteur und einen Netzführer, und die Netzbetreiber, deren Investitionspläne bis 2030 feststehen, stellen für all diese Arbeit ein.

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