Chemie- und Verfahrenstechnik-Jobs in den erneuerbaren Energien
Chemie- und Verfahrenstechnik-Jobs in der erneuerbaren Energie
Chemie- und Verfahrenstechnik plant, berechnet und betreibt die Prozesse, in denen Stoffe umgewandelt, getrennt und gereinigt werden, von der Elektrodenbeschichtung einer Batteriezelle bis zur Gasaufbereitung hinter einem Elektrolyseur. In der Energiewende wandert dieses Fachwissen aus der klassischen Chemie in neue Branchen. Das ist auch eine Frage der Not: Laut VCI waren die Anlagen der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie 2025 nur zu 70 Prozent ausgelastet, einem historischen Tiefstand, und die Branche baute rund 2.400 Stellen ab.
Wo Verfahrenstechnik in der Energiewende gebraucht wird
Drei Felder ziehen die meisten Stellen an. In der Batterietechnologie entscheiden Mischen, Beschichten, Trocknen und Kalandrieren der Elektroden über Ausschuss und Zellqualität. Viele Probleme einer neuen Zellfabrik sind im Kern verfahrenstechnische: Lösemittelrückgewinnung, Feuchtigkeitskontrolle im Trockenraum, Viskosität der Slurries. In der Wasserstoffwirtschaft geht es um Elektrolyse und Elektrolyseure, um Stackfertigung, Katalysatortinten und Membranen, außerdem um Gastrocknung, Verdichtung und die Anlagen, die aus Wasserstoff Ammoniak, Methanol oder synthetische Kraftstoffe machen. Das dritte Feld ist die Bioenergie mit Biogasaufbereitung, Pyrolyse und Kohlenstoffabscheidung.
Gemeinsam ist allen drei Feldern, dass Laborerfolge in industrielle Maßstäbe übertragen werden müssen. Ein Elektrodenrezept, das im Labor funktioniert, verhält sich auf einer Beschichtungsanlage im Dauerbetrieb anders. Genau an dieser Skalierung scheitern viele Projekte, und genau dafür werden Prozessingenieure eingestellt.
Wer einstellt
Auf Rejobs schrieb der französische Zellhersteller Verkor im vergangenen Jahr die meisten Stellen aus. Seine Gigafactory bei Dünkirchen ging im Dezember 2025 mit 16 Gigawattstunden Jahreskapazität in Betrieb und soll 1.200 direkte Arbeitsplätze schaffen. Dahinter folgen der Fusionsentwickler Commonwealth Fusion Systems, die TU Delft mit Promotions- und Forschungsstellen, der Elektrolyseurhersteller Ohmium mit einem Entwicklungsstandort in Bengaluru sowie Nel Hydrogen. Aus den USA kommen Charm Industrial, das Biomasse zu Bio-Öl verarbeitet und unterirdisch einlagert, und Twelve, das aus CO2 und Strom E-Kerosin herstellen will.
Deutsche Standorte sind in diesem Feld noch vergleichsweise selten, am häufigsten taucht Erlangen auf. Häufige Titel sind Process Engineer, Electrode Process Engineer, Electrochemical Engineer und Staff Engineer für chemische Komponenten, dazu Techniker für Katalysatortinten und Modellierer für Multiphysik-Simulationen.
Was sich lohnt
Gesucht wird selten reine Verfahrenstechnik. Den größten Vorsprung haben Bewerberinnen und Bewerber, die Elektrochemie mit Anlagenerfahrung verbinden, also verstehen, was in einer Zelle oder einem Stack passiert, und zugleich wissen, wie eine kontinuierliche Produktionslinie hochgefahren wird. Erfahrung in Forschung und Entwicklung allein genügt meist nicht, gefragt ist der Weg vom Pilotmaßstab in die Serie.
Für Fachkräfte aus der klassischen Chemie ist der Wechsel naheliegend. Trennverfahren, Reaktionstechnik, Anlagensicherheit und Prozessleittechnik lassen sich fast eins zu eins übertragen, während die schwache Auslastung der alten Standorte den Schritt zusätzlich nahelegt. Verkor allein plant bis 2030 eine Kapazität von 50 Gigawattstunden, mehr als das Dreifache des heutigen Werks.
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