Fernwärme und Fernkälte-Jobs in den erneuerbaren Energien
Fernwärme und Fernkälte-Jobs in der erneuerbaren Energie
Fernwärme und Fernkälte verteilen Wärme oder Kälte aus zentralen Anlagen über isolierte Rohrnetze an Gebäude: Heizkraftwerke, Großwärmepumpen, Geothermie, Solarthermie oder Abwärme aus Industrie und Rechenzentren speisen ein, Übergabestationen im Keller übernehmen die Energie. Laut AGFW-Hauptbericht gab es in Deutschland 2023 bereits 4.307 Wärmenetze mit zusammen 35.556 Kilometern Trassenlänge.
Grün ist die Fernwärme noch nicht
Wärmenetze sind nicht automatisch erneuerbar. Nach AGFW-Zahlen stammten 2023 rund 33 Prozent der Fernwärme aus klimaneutralen Quellen, deutlich mehr als im übrigen Wärmesektor mit etwa 24 Prozent, aber Erdgas und Kohle liefern weiterhin den größten Teil des Brennstoffeinsatzes. Genau das ist der Grund für die vielen offenen Stellen. Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Betreiber, ihre Netze bis 2030 zu mindestens 30 Prozent und bis 2040 zu mindestens 80 Prozent mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme zu speisen. Parallel legen die Kommunen Wärmepläne vor, die festlegen, welche Straßenzüge künftig an ein Netz angeschlossen werden sollen.
Der Umbau hat damit zwei Seiten. Auf der Erzeugungsseite entstehen Großwärmepumpen an Flüssen und Kläranlagen, Wärmespeicher, Geothermiebohrungen und Anlagen zur Nutzung von Abwärme. Auf der Verteilungsseite werden Netze verdichtet und erweitert, Vorlauftemperaturen gesenkt und tausende Hausanschlüsse neu gebaut. Fernkälte ist in Deutschland noch eine Nische, wächst aber mit Rechenzentren, Krankenhäusern und Bürogebäuden in Innenstädten.
Wer einstellt
Die meisten deutschen Stellen kommen von kommunalen und regionalen Versorgern. Die BEW Berliner Energie und Wärme, die eines der größten Fernwärmenetze Europas betreibt, sucht Bauingenieure für Stationsumbauten, Planungs- und Bauleitungsingenieure für Hausanschlüsse und Anlagenmechaniker für Wärmenetze. Die Netze BW in Stuttgart, die EWR in Remscheid und E.ON stellen ebenfalls ein. International fallen Vicinity Energy mit Dampf- und Heißwassernetzen in Boston, Baltimore und Philadelphia sowie britische Anbieter wie Alternative Heat auf, die Wärmenetze und Wärmepumpenlösungen planen.
Gesucht werden Bauingenieure und Rohrleitungstechniker für den Netzbau, Fachkräfte für Sanitär- und Rohrinstallation für Hausanschlüsse, Dispatcher für die Netzleitwarte, Vertriebsingenieure für Wärmelösungen und Planer für Wärmepumpen im Megawattbereich.
Was sich lohnt
Tiefbau und Hausanschluss sind der Engpass, weil jeder Netzausbau durch Straßen, Keller und Genehmigungen führt. Wer Leitungsbau und Wärmetechnik zugleich beherrscht, hat bei Stadtwerken und Planungsbüros gute Karten, ebenso Ingenieure, die Großwärmepumpen, Speicher und Netztemperaturen gemeinsam auslegen. Der Durchschnitt von einem Drittel verdeckt dabei große Unterschiede zwischen den Netzen, und bis 2040 müssen alle auf 80 Prozent kommen. Bei einer Wärmenetzeinspeisung von 109 Terawattstunden im Jahr 2023 geht es um den Umbau einer Versorgung, die Millionen Wohnungen betrifft, und dafür brauchen Stadtwerke auch Quereinsteiger aus dem SHK-Handwerk und dem Kraftwerksbetrieb.
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