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Jobs in der Geothermie

Jaroslav Holub · Aktualisiert am 25 Sep 2026 · 13 Min. Lesezeit

In Deutschland ist Tiefengeothermie vor allem ein Fernwärmegeschäft, und im Münchner Süden lässt sich eine ganze Laufbahn vom selben Wohnort aus aufbauen. Wer aus der Öl- und Gasindustrie kommt, bringt das Handwerkszeug für den Bohrplatz fast vollständig mit.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und maschinell ins Deutsche übersetzt.

Inhalt

Die deutsche Tiefengeothermie konzentriert sich im bayerischen Molassebecken, weitere Anlagen sind im Bau, und im Dezember 2025 hat der Bundestag das Geothermie-Beschleunigungsgesetz verabschiedet, das die Genehmigungsverfahren beschleunigen soll. Der Bundesverband Geothermie zählt aktuell 45 Tiefengeothermie-Anlagen in Betrieb, 18 im Bau und 178 Vorhaben in Planung. Geothermie liefert, was Windenergie und Solarenergie nicht leisten können: planbare Grundlast mit einer Auslastung von über 75 Prozent, wetter- und tageszeitunabhängig. Für die Wärmewende in dicht besiedelten Räumen ist das der entscheidende Hebel - rund die Hälfte des deutschen Endenergieverbrauchs entfällt auf Wärme.

Bohrplatz des Forschungsprojekts GeneSys in Hannover
Bohrplatz des Forschungsprojekts GeneSys in Hannover. Foto: T. Agemar, CC BY 4.0 / Wikimedia Commons

Geothermie-Beschleunigungsgesetz und KfW-Förderkredit

Zwei Instrumente bestimmen den Arbeitsmarkt der nächsten Jahre. Das Geothermie-Beschleunigungsgesetz stellt Wärmeleitungen planungsrechtlich Gas- und Wasserstoffleitungen gleich und stuft Geothermie als im überragenden öffentlichen Interesse liegend ein. Seit Dezember 2025 ergänzt der KfW-Förderkredit Geothermie das Paket - kombiniert mit einer Fündigkeitsversicherung von Munich Re, die am größten wirtschaftlichen Hemmnis ansetzt: dem Fündigkeitsrisiko.

Der Bundesverband Geothermie rechnet beim Ausbau der Tiefengeothermie von 1,8 auf 10 TWh pro Jahr bis 2030 mit rund 24.000 neuen Stellen; die Roadmap von Fraunhofer IEG und Helmholtz hält langfristig mehr als 100.000 für möglich. Rechnet man oberflächennahe Geothermie und Wärmepumpen hinzu, arbeiteten 2023 in Deutschland bereits rund 72.000 Menschen in Geothermie und Umweltwärme - Tendenz steigend. Weltweit zählt IRENA in der Geothermie rund 91.500 direkte Stellen (2024); die IEA, die weiter fasst, kommt auf rund 145.000 und hält bis 2030 eine Steigerung auf eine Million Stellen für möglich - Treiber sind Enhanced Geothermal Systems (EGS) und geschlossene Kreisläufe.

Installierte geothermische Leistung in den acht größten Ländermärkten: USA, Philippinen, Indonesien, Türkei, Italien, Island, Mexiko und Kenia
Installierte geothermische Leistung in den acht größten Ländermärkten: USA, Philippinen, Indonesien, Türkei, Italien, Island, Mexiko und Kenia. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Tiefengeothermie in München und im Umland

Die Stadtwerke München betreiben sechs Geothermieanlagen in und um München. Riem ging 2004 als erste Münchner Anlage in Betrieb, Sauerlach folgte 2014 mit Thermalwasser von über 140 °C aus 4.200 m Tiefe - heiß genug, um neben Wärme auch Strom für 16.000 Haushalte zu erzeugen. Freiham (seit 2016) versorgt den gleichnamigen Stadtteil im Münchner Westen, und am Heizkraftwerk Süd in Sendling ging die bundesweit größte Geothermieanlage in Betrieb - 80.000 Menschen werden im Vollbetrieb mit klimaneutraler Wärme versorgt.

Eine siebte Anlage am Michaelibad in Neuperlach ist im Bau, eine weitere am Pasinger Heuweg in Untermenzing in Planung. Das Ziel: bis spätestens 2040 die gesamte Münchner Fernwärme klimaneutral bereitzustellen, im Kern aus Tiefengeothermie. Die Nachbargemeinden Pullach und Unterhaching betreiben längst eigene geothermische Wärmenetze; IEP Pullach hebt den geothermischen Anteil der Pullacher Wärmeversorgung von 46 auf 100 Prozent und hat dafür einen Großauftrag für die Bohrungen an Daldrup & Söhne vergeben.

Bei Straßenarbeiten freigelegte Fernwärmeleitungen in Reykjavík
Bei Straßenarbeiten freigelegte Fernwärmeleitungen in Reykjavík. Foto: Stig Nygaard, CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Kaum irgendwo sonst in Mitteleuropa lässt sich eine ganze Karriere in der Tiefengeothermie vom selben Wohnort aus aufbauen. Bohrkampagnen, Anlagenbetrieb, Reservoirüberwachung, Netzplanung - alle Berufsfelder liegen im Münchner Süden beieinander.

Geschlossene Kreisläufe: Eavor in Geretsried

Am 5. Dezember 2025 hat Eavor Technologies als erstes Unternehmen weltweit Strom aus einem vollständig geschlossenen Geothermiekreislauf ins öffentliche Stromnetz eingespeist - in Geretsried, 50 Kilometer südlich von München. In 4.500 m Tiefe lässt die Anlage ein Arbeitsmedium durch geschlossene Bohrschleifen zirkulieren, ohne Stimulation und unabhängig von wasserführenden Schichten. Das ist der Ansatz, der Geothermie von der Geologie unabhängig machen soll: Wo in erreichbarer Tiefe genug Temperatur ansteht, lässt sich künftig eine Anlage errichten - unabhängig davon, ob das Gestein wasserführend ist.

Die aktuelle Leistung liegt allerdings deutlich unter dem Auslegungsziel von 8,2 MWel und 64 MWth. Die ersten Loops produzieren brutto rund 0,5 bis 1 MW elektrisch; eine Einspeisung in nennenswertem Umfang steht noch aus. Eavor selbst nennt die Anlage einen „First-of-a-kind“-Demonstrator - Datenbasis für die nächsten Großprojekte in Hannover und im Ausland, nicht das fertige Geschäftsmodell. Für die Branche zählt der Lerneffekt: Jede Erkenntnis zu Bohrlochintegrität, Wärmeentzug und Druckhaltung fließt in die nachfolgenden Projekte ein.

Lithium aus Sole im Oberrheingraben

Vulcan Energy Resources hat im Dezember 2025 die vollständige Finanzierung der Lionheart Phase 1 über 2,2 Milliarden Euro abgeschlossen und zugleich die endgültige Investitionsentscheidung getroffen. Im Konsortium aus 13 Finanzpartnern steuert die Europäische Investitionsbank 250 Millionen Euro bei; der KfW-Rohstofffonds ist mit 150 Millionen Euro Eigenkapital beteiligt; HOCHTIEF, Siemens Financial Services und Demeter halten weitere Anteile. Das Projekt im Oberrheingraben verbindet Geothermie mit Lithiumgewinnung aus Sole - ein hybrides Geschäftsmodell, das in Europa erstmals in kommerziellem Maßstab entsteht.

Geothermie-Bohrplatz in Trebur (Hessen)
Geothermie-Bohrplatz in Trebur (Hessen). Foto: Ben Benzin, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Vulcan produziert in Landau bereits Lithiumchlorid, das im Industriepark Höchst in Frankfurt zu Lithiumhydroxid in Batteriequalität weiterverarbeitet wird; das Geothermiekraftwerk Insheim versorgt rund 8.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom. Die kommerzielle Produktion von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr soll 2028 anlaufen - nach Vulcans Angaben genug für etwa 500.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr und damit ein direkter Beitrag zur europäischen Lieferkette für Energiespeicherung. Für Bewerber öffnet sich damit ein Berufsfeld, das es so bisher nicht gab: Geothermie-Ingenieure mit verfahrenstechnischer Ausbildung für die Lithiumextraktion, dazu laufend ausgeschriebene Stellen von Landau bis Frankfurt-Höchst.

Geothermie-Technologien: Kraftwerke, EGS, Fernwärme und Wärmepumpen

Geothermie ist kein einheitliches Berufsfeld. Wer in einem Dampfkraftwerk in Larderello arbeitet, hat mit der Wärmepumpenmontage in einem süddeutschen Einfamilienhaus außer dem Begriff Geothermie wenig gemeinsam.

Konventionelle Kraftwerke: Trockendampf-Anlagen sind selten und auf natürliche Dampflagerstätten angewiesen (Larderello, The Geysers in Kalifornien). Flash-Anlagen fördern Thermalwasser von über 180 °C und erzeugen Dampf durch Entspannung - sie dominieren in Indonesien, Kenia und der Türkei. Binäranlagen nach dem Organic Rankine Cycle (ORC) nutzen niedrigere Temperaturen bis etwa 180 °C über einen Sekundärkreislauf und sind die vorherrschende Technologie für neue Anlagen. Fast alle deutschen Geothermie-Stromanlagen sind ORC-basiert.

Geothermisches Kraftwerk Nesjavellir im Südwesten Islands
Geothermisches Kraftwerk Nesjavellir im Südwesten Islands. Foto: Gretar Ivarsson, Public domain / Wikimedia Commons

Enhanced Geothermal Systems (EGS, petrothermale Systeme) erzeugen künstliche Reservoire durch hydraulische und thermische Stimulation - Verfahren, die die Öl- und Gasindustrie perfektioniert hat und die nun in die erneuerbaren Energien wandern. Fervo Energy hat in Utah gezeigt, dass horizontale Bohrtechnik und Glasfasersensorik die Bohrzeiten um 70 Prozent senken; auf Systeme der nächsten Generation entfallen inzwischen rund 60 Prozent der seit 2021 geschlossenen US-Stromabnahmeverträge für Geothermie. Eavor-Loops funktionieren ohne Stimulation - das ist die zweite Entwicklungslinie dieser neuen Verfahren.

Fernwärme aus Tiefengeothermie ist der für Deutschland zentrale Anwendungsfall. München, Hamburg-Wilhelmsburg, Prenzlau, Pullach, Bruchsal, Aarhus und der Großraum Kopenhagen (Innargi) - überall entstehen oder wachsen geothermische Wärmenetze. Die Arbeit dreht sich um Rohrleitungstechnik, Wärmeübertrager und Hausübergabestationen, eine Infrastruktur, die Trinkwassernetzen ähnelt, nur bei 60 bis 90 °C. Anders als auf abgelegenen Vulkanfeldern liegt der Arbeitsplatz in der Stadt.

Erdwärmepumpen (Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdwärmesonden oder -kollektoren, 1 bis 200 m Tiefe) sind technisch ein anderes Handwerk. Die Arbeit liegt näher am SHK-Bereich als am Reservoiringenieurwesen. Der deutsche Wärmepumpenmarkt insgesamt schwankt stark: Nach einem Einbruch um 48 Prozent im Jahr 2024 zog der Absatz 2025 laut European Heat Pump Association um 50 Prozent an - und lag damit noch unter dem Niveau von 2023.

Berufsbilder in der Tiefengeothermie

Bohringenieure und Bohrmannschaften

Bohringenieure planen den Bohrpfad, wählen die Bohrmeißel, legen Spülungsprogramme fest und leiten die Kampagnen vor Ort. Geothermische Bohrungen können 5.000 m und tiefer reichen; in vulkanischen Regionen erreichen sie Temperaturen über 300 °C. Lange Schichten auf der Baustelle gehören zum Beruf, mit häufigen Standortwechseln. Die Bohrmannschaft bedient die Bohranlage selbst: Hebewerk, Rohrtouren, Zementation. Hier gelingt der Wechsel aus der Öl- und Gasbranche am direktesten - Ausrüstung, Abläufe und Fachsprache sind nahezu identisch.

Bohranlage auf einem Geothermie-Bohrplatz
Bohranlage auf einem Geothermie-Bohrplatz. Foto: Richard Bartz, CC BY-SA 2.5 / Wikimedia Commons

Geothermie-Ingenieure

Geothermie-Ingenieure entwerfen Anlagen, optimieren Betriebsparameter und übernehmen die übergreifenden Aufgaben - von der Dimensionierung der Wärmetauscher bis zur Steuerung der Reinjektion. In Deutschland liegt das Gehalt im Schnitt bei 80.600 Euro im Jahr, mit einer Spanne von 55.000 bis 98.000 Euro.

Reservoiringenieure

Reservoiringenieure modellieren unterirdische Fluidströmungen, prognostizieren Förderraten und Fündigkeit und planen Bohrkampagnen. Der Beruf verlangt fundierte Kenntnisse in Thermodynamik, Strömungsmechanik und numerischer Modellierung. Glassdoor meldet für Deutschland ein Durchschnittsgehalt von rund 87.500 Euro.

Geologen und Geophysiker

Explorationsgeologen identifizieren geothermische Ressourcen anhand geologischer Kartierung, Geochemie und seismischer Erkundung. Geophysiker führen 3D-Seismik durch und interpretieren die Daten, Fachleute für Geotechnik bewerten Bohrplatz und Baugrund - in Europa ist die Zahl der seismischen Kampagnen 2024 von 10 auf mehr als 17 gestiegen. Die Gehaltsspanne liegt in Deutschland bei 58.000 bis 95.000 Euro.

Projektmanager

Projektmanager führen Vorhaben vom Genehmigungsverfahren bis zur Inbetriebnahme: Koordination der Bohrunternehmen, Ausrüstungslieferanten, Umweltgutachter und Netzbetreiber bei Budgets in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe über drei bis sieben Jahre. Der Beruf verlangt technisches Verständnis, Verhandlungsroutine und Kenntnis des Bergrechts. Die Gehaltsspanne liegt bei 60.000 bis 110.000 Euro.

Fernwärmetechniker

Fernwärmetechniker überwachen Netzdrücke, Temperaturen und Durchflüsse, reagieren auf Leckagen und koordinieren Wartungen. Der Beruf setzt Kenntnisse der Netzhydraulik voraus, dazu Verständnis für thermische Energietechnik und für städtische Infrastruktur. Das Gehalt liegt in Deutschland bei 49.000 bis 73.000 Euro.

Bauingenieure

Bauingenieure arbeiten in der Projektentwicklung von Geothermieanlagen, im Bau der Wärmenetze und bei Planung und Herrichtung der Bohrplätze. Genehmigungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Standortplanung verlangen dasselbe Rüstzeug wie der Straßen- oder Tunnelbau.

Gehälter in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Beruf Deutschland Österreich Schweiz
Geothermie-Ingenieur 55.000 - 98.000 € 50.000 - 85.000 € 95.000 - 140.000 CHF
Reservoiringenieur 71.000 - 104.000 € 62.000 - 90.000 € 100.000 - 150.000 CHF
Bohringenieur 68.000 - 111.000 € 58.000 - 95.000 € 100.000 - 180.000 CHF
Geologe / Geophysiker 58.000 - 95.000 € 42.000 - 65.000 € 82.000 - 150.000 CHF
Projektmanager 60.000 - 110.000 € 51.000 - 79.000 € 92.000 - 120.000 CHF
Kraftwerker 47.000 - 66.000 € 34.000 - 55.000 € 61.000 - 111.000 CHF
Fernwärmetechniker 49.000 - 73.000 € 31.000 - 54.000 € rund 78.000 CHF
Wärmepumpen-Installateur 42.000 - 61.000 € 26.000 - 37.000 € 48.000 - 95.000 CHF

Bruttojahresgehälter. Deutsche Daten auf Basis von SalaryExpert, ERI, Glassdoor, StepStone, jobvector und meingehalt.net (2025/2026). Österreichische Daten auf Basis von karriere.at, Glassdoor, jobted.at und AMS Berufslexikon. Schweizer Daten auf Basis von SalaryExpert, lohnanalyse.ch, lohncheck.ch und lohnspiegel.org. Geothermie-spezifische Gehaltserhebungen existieren kaum; die Angaben beruhen auf allgemeinen Berufen der Energietechnik und vergleichbaren Positionen. Umrechnung: 1 CHF entspricht etwa 1,05 Euro.

Arbeitsbedingungen

Viele Geothermie-Jobs in Tiefbohrtechnik und Kraftwerksbetrieb sind körperlich fordernd. Bohrbaustellen laufen rund um die Uhr im Schichtbetrieb. In Deutschland begrenzt das Arbeitszeitgesetz die werktägliche Arbeitszeit auf acht Stunden, bei Ausgleich innerhalb von sechs Monaten auf zehn; längere Schichten setzen einen Tarifvertrag voraus. Die Arbeit findet im Freien statt, bei jedem Wetter, im Umgang mit Hochdruckanlagen, aggressivem Thermalwasser und Schwefelwasserstoff. Schutzausrüstung ist Pflicht: Helm, Handschuhe, Gehörschutz, Atemschutz.

In Deutschland sieht es anders aus als in den klassischen vulkanisch geprägten Geothermieländern. Bohrplätze liegen häufig im Umland der Städte - Pullach direkt südlich der Stadtgrenze, Freiham im Stadtgebiet, Geretsried im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen - keine abgelegenen Hochlagen. Der Bohrplatz ist täglich vom Wohnort aus erreichbar. Wer allerdings für Daldrup & Söhne oder Iceland Drilling arbeitet, muss die Bereitschaft zu wechselnden Einsatzorten mitbringen.

Die Fernwärme ist ein städtisches Geschäft. Techniker arbeiten an der städtischen Infrastruktur, mit regulären Arbeitszeiten und Rufbereitschaft für Störungen, vor allem in der Heizperiode. Im Büro - Projektentwicklung, Genehmigungsmanagement, Finanzierung - gelten übliche Bürozeiten, doch regelmäßige Baustellenbesuche gehören dazu.

Wer geregelte Bürozeiten sucht, findet in der Geothermie passende Stellen: Projektentwickler, Genehmigungsspezialisten, Finanzanalysten - die bestbezahlten Positionen mit den schnellsten Aufstiegschancen verlangen jedoch Arbeit vor Ort und Schichtbetrieb.

Quereinstieg aus anderen Branchen

Die engste Verwandtschaft besteht zur Öl- und Gasindustrie. Richtbohrtechnik, Bohrlochausbau, Zementation, Spülungstechnik, Bohrlochmessung und Reservoirmanagement lassen sich nahezu 1:1 übertragen. Wer auf einer Bohrplattform in der Nordsee gearbeitet hat, kann nach kurzer Einarbeitung auf einem Geothermie-Bohrplatz in Bayern arbeiten. Die Hauptunterschiede: höhere Temperaturen, längere Bohrlochlebensdauer und Kreislaufbetrieb mit Reinjektion statt Lagerstättenentleerung.

Das gilt besonders für EGS-Projekte. Hier arbeiten Bohrmannschaften mit Horizontalabschnitten, mehreren Bohrungen von einem Bohrplatz und Echtzeit-Datenanalyse - genau das Instrumentarium, das in der texanischen Schiefergasförderung entwickelt wurde. Für Bewerber von Harbour Energy (vormals Wintershall Dea), BP oder Equinor heißt das: Die fachlichen Fähigkeiten sind direkt übertragbar, Nachholbedarf besteht beim Reservoirverhalten und beim Rechtsrahmen aus Berg- und Wasserrecht.

SHK-Handwerker (Sanitär, Heizung, Klima) wechseln in die Wärmepumpeninstallation und den Bau von Fernwärme-Hausanschlüssen. Wärmetauscher, Fluidkreisläufe und Thermodynamik bilden die gemeinsame Basis. Bauingenieure finden Anschluss in Fernwärme-Projektentwicklung, Bohrplatzinfrastruktur und Netzplanung. Bergbauspezialisten, insbesondere Fachleute für Hartgesteinsbohrungen, kennen die Bedingungen für EGS-Bohrungen bis 5.000 m Tiefe im kristallinen Gestein.

Wichtige Arbeitgeber

Tiefengeothermie für Fernwärme und Stromerzeugung

Bohrdienstleister

  • Daldrup & Söhne AG - Ascheberg (NRW) und Grünwald bei München. Auftragsbestand von 132 Millionen Euro zum 31. August 2026. Generalunternehmer für sieben Bohrungen in Pullach Süd und Baierbrunn (4.000-5.100 m Tiefe). Bohrmannschaften und Bohranlagen sind bis 2027 ausgelastet.
  • Iceland Drilling Company - Island, weltweit aktiv. Über 70 Jahre Erfahrung im geothermischen Bohren. Vertrag mit ON Power für acht Produktionsbohrungen in Island (2025-2027), Joint Venture mit Elemental Energies für globale Einsätze.
  • Baker Hughes - weltweit. Bohrtechnik, Spezialbohrmeißel für Temperaturen über 200 °C und ORC-Kraftwerkstechnik. Vertrag mit Fervo Energy für fünf ORC-Anlagen (300 MW, Inbetriebnahme bis 2028).

Entwickler neuer Verfahren

  • Eavor Technologies - Kanada, Geretsried (Bayern). Erste geschlossene Geothermieanlage der Welt mit Netzeinspeisung; zweite Anlage in Hannover in Entwicklung. 91,6 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds.
  • Vulcan Energy Resources - Karlsruhe. Geothermie kombiniert mit Lithiumgewinnung im Oberrheingraben; Lionheart Phase 1 durchfinanziert, kommerzielle Produktion ab 2028. Laufend offene Stellen in allen Bereichen.
  • Fervo Energy - USA. Cape Station (Utah): 500-MW-Projekt, erste 100 MW in Betrieb ab 2026. 462 Millionen Dollar Series E im Dezember 2025. Für deutsche Ingenieure vor allem als Technologietreiber relevant - die EGS-Erfahrung lässt sich auf europäische Projekte übertragen.

Beratung und Forschung

  • Erdwerk GmbH - München. Spezialisiertes Planungs- und Ingenieurbüro für Tiefengeothermie. Reservoirmodellierung, hydrogeologische Gutachten, Projektsteuerung für SWM und kommunale Versorger im Molassebecken.
  • GeoThermal Engineering GmbH (GeoT) - Karlsruhe, mit Büros in Bochum und Dresden sowie in der Schweiz. Weltweit tätiges unabhängiges Planungsbüro für Tiefengeothermie: Exploration, Reservoirmodellierung, Projektmanagement.
  • Fraunhofer IEG - Bochum. Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie. Federführend bei der Geothermie-Roadmap, forscht zur Hochtemperatur-Bohrtechnik.
  • LIAG (Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik) - Hannover. Betreibt das Geothermische Informationssystem GeotIS und führt seismische Messkampagnen für die Bundesländer durch.

Ausbildung und Qualifikationen

Die deutsche Hochschullandschaft hat reagiert. Die TU Bergakademie Freiberg hat zum Sommersemester 2025 einen eigenen Masterstudiengang Geothermie eingerichtet. Die Regelstudienzeit beträgt drei Semester für Bewerber mit siebensemestrigem Bachelor, alle anderen absolvieren ein Anpassungssemester; die Module reichen von den Geowissenschaften über Bohrtechnik und Hydrochemie bis zu Modellierung und Bergrecht. Die RWTH Aachen bietet am E.ON Energy Research Center eine Vertiefung Tiefengeothermie in ihren Energietechnik-Studiengängen an; die TU München bietet gemeinsam mit der FAU Erlangen-Nürnberg den Masterstudiengang GeoThermie/GeoEnergie an. Das LIAG in Hannover bildet wissenschaftlichen Nachwuchs in der Reservoircharakterisierung und der seismischen Modellierung aus.

Für Weiterbildungen führt der Weg über die Veranstaltungen des Bundesverbands Geothermie, inklusive der jährlichen Geothermie-Kongresse. SHK-Handwerker qualifizieren sich über Handwerkskammern und Herstellerschulungen für die Wärmepumpen-Installation; Bohrmannschaften wechseln meist über interne Programme der Bohrunternehmen aus dem Brunnenbau oder der Öl- und Gasförderung.

Arbeiten im Ausland: Österreich und die Schweiz

In Wien nimmt die Tiefengeothermie gerade Fahrt auf. OMV und Wien Energie teufen in Aspern drei Bohrungen auf über 3.000 m ab; die erste Anlage mit 20 MWth soll 2028 Wärme liefern. Langfristig sollen rund 200.000 Wiener Haushalte geothermisch versorgt werden. Niederösterreich startet mit EVN eine Explorationskampagne, wofür die Partner laut Medienberichten knapp 100 Millionen Euro aufwenden wollen - erste Anlage 2030, zweite 2035. Der Klima- und Energiefonds hat ein 10-Millionen-Euro-Förderprogramm für Tiefengeothermieprojekte aufgelegt.

Die Schweiz geht vorsichtiger vor. Beim Projekt Haute-Sorne im Jura zeigten die Stimulationstests im Juli 2025, nach der Bohrung auf rund 3.800 m, eine induzierte Seismizität, die mehr als 60-mal geringer ausfällt als beim Basler Projekt von 2006. Swiss Geo Energy führt eine der größten geophysikalischen Onshore-Kampagnen Europas in der Westschweiz durch; erste Anlage frühestens 2033. Die Schweizer Zurückhaltung nach den Beben von Basel weicht langsam, doch der Arbeitsmarkt bleibt klein.

Für Fachkräfte aus Deutschland bieten die österreichischen Projekte den niedrigschwelligen Zugang: keine Sprachbarriere, vergleichbares Genehmigungsrecht und wachsende Nachfrage nach Bohringenieuren, Geologen und Fernwärmetechnikern.

Ausblick bis 2040

Drei Entwicklungen bestimmen den deutschen Geothermie-Arbeitsmarkt bis 2040. Eavor in Geretsried muss zeigen, dass die geschlossene Schleife ihre Auslegungsleistung erreicht - die Daten der Jahre 2026 und 2027 entscheiden, ob das Hannover-Projekt gebaut wird. Vulcan startet 2028 die kommerzielle Lithiumhydroxid-Produktion in Lionheart Phase 1 mit 24.000 Tonnen pro Jahr; bis dahin baut das Unternehmen sein Team im Oberrheingraben und im Industriepark Höchst auf. Und die Stadtwerke München stellen ihre Fernwärme bis 2040 vollständig auf klimaneutrale Erzeugung um - die 178 bundesweit in Planung befindlichen Projekte sind die Pipeline, aus der die nächste Einstellungswelle kommt.

Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in den großen europäischen Ländern
Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in den großen europäischen Ländern. Quelle: Our World in Data, CC BY 4.0

Artikel von Jaroslav Holub · Redaktionell bearbeitet von Rejobs

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